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Mazarins Tode 24jährigen Ludwig nicht eben viel zu. Erwar nicht sehr begabt, konnte kaum richtig schreiben und lesenund war, wie alle Bourbonen, außerordentlich unwissend. SeineErziehung war von Mazarin und der Königin-Mutter „ab-sichtlich", wie man sagte, vernachlässigt worden. Was er inseiner Mutter Hause sah, konnte auf seine sittlichen Anschau-ungen nicht allzu erhebend einwirken. Als eine fünfundvierzig-jährige Kammerfrau, Madame de Beauvais, den vierzehn-jährigen König verführte, lachte die Königin dazu und bezeichnetedie Ausschweifungen des Knaben als Kinderspiel." Mit Lieb-schaften, Bällen, Jagden und Kartenspiel brachte Ludwig seineZeit am liebsten hin. In die „Staatsgeschäfte" hatte er wohlab und zu hineingerochen, im übrigen jedoch hatte er Mazaringewähren lassen.
Um so erstaunter waren diejenigen, die sich bereits aufdie Erbschaft Mazarins verspitzt hatten, als am Tage nachder Beerdigung des Kardinals der König erklärte: „Es ist jetztZeit, daß ich selbst regiere — Sie werden mich mit ihremRath unterstützen, doch verbiete ich Ihnen, auch nur das Ge-ringste, selbst einen Paß, ohne meinen Befehl zu unterzeichnen."
Wie stolz das klang! Ludwig XIV. war sein eigenerGroßvezir, war nicht nur dem Namen, sondern auch der Thatnach Alleinherrscher von Frankreich geworden! Die grenzenloseEitelkeit des jungen Menschen hatte über den Hang zur Be-quemlichkeit und Trägheit den Sieg davongetragen.
Wie beschränkt und unwissend auch Ludwig war, so hatteer doch den Augenblick richtig erkannt, in dem er das Groß-vezirat einziehen und die thatsächliche Herrschaft wieder an dieKrone bringen konnte. Die Richelieu und Mazarin hatten„ganze Arbeit" verrichtet, der junge König fand die Maschinetrefflich im Gange, von keiner Leite drohte ihm ernsthafterWiderstand, er konnte getrost sich selbst zum „Säkularmeuschen"erheben.
Die Portion natürlicher Schlauheit, die er besaß, sagteihm, daß er besser fahren würde, wenn er, statt sich in einem