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In jenem Jahre brach ein Aufstand der Bauern in derBretagne aus, der von den Truppen des Königs blutigunterdrückt wurde. Galgen und Rad arbeiteten erbarmungs-los an der Herstellung d-r „Ordnung", und „zur Strafe"mußte die arme Bretagne 18 Millionen Francs „Buße"zahlen. Schon drei Jahre später aber schreibt der venetianischeGesandte Contarini: „Alle ohne Ausnahme wünschen sehn-lichst ein Ereigniß herbei, das sie aus so lange erduldeterKnechtschaft rette." Und sein Nachfolger Foscarini be-richtet bald darauf, „wie alle Stände unter dem Scheinstummen Gehorsams Gelübde für eine gänzliche Re-volution thun."
Wagten die Beamten dem Finanzminister die Lage desVolkes zu schildern, so antwortete er brutal: „Man muß keinMitleid haben mit den heuchlerischen Miseren, die in den Pro-vinzen nur allzu häufig sind."
Natürlich durfte in der Liste der Colbertschen Beglückungs-pläne auch die „Kolonisation" fremder Länder nicht fehlen.Millionen und Abermillionm flogen zum Fenster hinaus, umin allen Welttheilen französische Niederlassungen zu gründen.Aber die meisten dieser künstlich ausgeheckten Kolonial-gründungen mußten wieder aufgegeben werden oder bildennoch heut, wie die Insel Madagaskar, ein SchmerzenskindFrankreichs.*)
Konvoi». Was Colbert aus dem französischen Volkeherauszuschinden wußte, das wurde von anderen „genialen"Männern alsbald verpulvert. Da waren zunächst die beidenLe Te liier, Vater und Sohn, die Kriegsminister Ludwigs XIV.Die Geschichte seiner Vorfahren wie seine eigenen Erfahrungenmit den Unzufriedenen der „Fronde" hatten Ludwig gelehrt,
*) Wie wenig diese „staatliche Fürsorge" auf Kosten der Steuer-zahler bedeutet, beweist die Thatsache, daß trotz Colberts BemühungenFrankreich im Jahre 1670 doch mir 600 Handelsfahrzeuge besaß,gegen 16 000 holländische und 4000 englische.