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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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sehen wir einen genialen, freien, unselbstischen Gedanken denJdeengang dieses flachen Formenmenschen durchbrechen.

Schmeicheleien waren ein Labsal für sein Ohr, und jegröber sie waren, desto lieber hörte er sie. Colbert preist dasGlück seines Sohnes, der in den unmittelbaren Dienst desKönigs getreten war, daseine Fehler von dem besten Herrn,dem erlauchtetsten aller Menschen, dem größten und mächtigstenKönige, der je einen Thron bestiegen, bemerkt und corrigirtwerden". Derselbe Speichellecker schreibt bei anderer Gelegen-heit an den König:Man muß, Sire, schweigen, bewundern,Gott alltäglich danken, daß er uns unter der Herrschaft einessolchen Königs wie Ew. Majestät hat geboren werden lassen,der keine anderen Grenzen seiner Allmacht mehr kennt, alsdie seines Willens".

Solche unverschämten Lobhudeleien, mit denen man sichihm von allen Seiten nahte, nahm Ludwig für baare Münzeund entgalt sie durch reiche Geschenke und sonstige Belohnungen.Der Herzog von La Feuillade errichtete in seinem Schlosseeine vergoldete Statue des Königs, vor der man nächtlicherWeile bei Fackelschein eine Art Götzendienst verrichtete. Fürdiese und ähnliche Speichelleckereien wurde er zum Marschall,zum Kommandanten der Garden und zum Statthalter ernannt.

Das tägliche Thun dieses Herrschers, selbst leibliche Ver-richtungen, die sonst jeder Sterbliche im stillen Kämmerleinabmacht, war mit einer umständlichen Feierlichkeit umgeben,als ob es sich um die Mysterien eines geheimnißvollen Götzen-cultus handelte. Für Paris, Versailles, Fontainebleauund wie sonst die Ortschaften hießen, an denen er Hof hielt,waren unter sich verschiedene, streng geregelte Gebräuche fest-gesetzt.

Die Großen seines Hofes, die er nicht nur durch seinBeispiel, sondern auch durch unmittelbare Aufforderung zuVerschwendung und Ueppigkeit ermunterte, hielt er in wohlabgemessener Entfernung von seiner heiligen Person, jedeAnnäherung sollte als ein besonderer Gnadenbeweis von seiner