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Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
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Seite gelten. Die vornehmsten Herren, deren Vorfahren nochauf seinen Großvater Heinrich IV., den Zaunkönig von Navarra,mit Geringschätzung herabgesehen hatten, betrachteten es als dasgrößte Vorrecht, ihm beim Aufstehen das Waschwasser reichenoder beim Niederlegen die Unterkleider ausziehen zu dürfen.

Sein Diner nahm er allein oder höchstens in Gesellschaftseiner Gemahlin ein, wobei sein Bruder, seine Kinder undEnkel ihm stehend zuschauten und der erstere ihm von Zeit zuZeit die Serviette reichte. Zur Abendtafel pflegte er Ein-ladungen ergehen zu lassen wer eine solche erhielt, betrachtetesich als den Glücklichsten der Sterblichen. Bei der Messe, dieder König niemals versäumte, und zu der ihm der ganze Hoffolgen mußte, wandte die feile Höflingsschaar ihr Gesicht nichtdem Altar, sondern dem im Chorpult knieenden Könige zu.

Und dennoch lebte dieserallmächtige" Despot, der allesin Abhängigkeit von seiner Person zu bringen bemüht war, inbeständiger feiger Angst! Alle Gemächer seiner Paläste warenvon Leibgardisten besetzt, er ging keinen Schritt aus seinemZimmer, ohne daß bewaffnete Trabanten ihm folgten. SeineFurcht vor dem Tode kannte keine Grenzen; sein Schloß inSt. Germain mied er ängstlich, weil man von seinen FensternauS die Thürme der Kathedrale von St. Denis sehen konnte,in der die Könige von Frankreich begraben lagen!

Maitressen wirthschaft. In geschlechtlichen Aus-schweifungen kannte Ludwig kein Maß. Als Knabe bereitswar er der Verführung verfallen, und erotische Abenteuer be-gleiten ihn durch sein ganzes Leben. Cardinal Mazarin hatteeine ganze Schaar von Nichten am Hofe eingeführt, und zuzweien derselben, den Schwestern Olympia und MariaMancini, stand Ludwig in intimen Beziehungen. Die letztere,die später einen Fürsten Colonna heirathete, wollte Ludwigsogar zur Königin machen, doch hintertrieb seine Mutter dieseVerbindung. Olympia Mancini, die später mit einem Grafenvon Soissons vermählt war und Mutter des bekanntenPrinzen Eugen von Savoyen wurde ist dcm^Löuta-uuL.