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retten müssen. Er wollte auch nicht an einem Orte weilen,wo die Menge des Volkes, diese gewaltige, imposante, eine Fülleschlummernder Kraft in ihrem Schooße bergende Großmachtseine Majestät in den Schatten stellte. Er zog seine selbst-geschaffenen kleinen Residenzen vor, in denen alles von ihmausging, alles sich auf ihn bezog. Um Paris zu entwaffnen,ließ er die Wälle der Stadt niederreißen, ja er erließ sogarVerordnungen, welche die rapide anwachsende Stadt in ihrerEntwickelung aufhalten sollten, wie jenes Patent vom Jahre1672, welche die Erbauung von Häusern jenseits der Vorstädteohne weiteres verbot.
Er begriff sehr wohl, daß in dieser mächtigen Gemein-schaft von arbeitenden und spekulirenden Menschen eine Weltfür sich neben seiner vergoldeten Coulissenwelt bestand — eineWelt, die von Lebensprinzipien beseelt wurde, welche den seinigengerade entgegengesetzt waren. Wie das wuchs und sich mehrte,trotz aller Bevormundung und Knechtung! Aus den Coconsder Seidenraupe, aus der Wolle der Schafe, aus Holz, <Nas,Seife und hundert anderen unscheinbaren Dingen wußten dieseverachteten Männer ohne Namen, diese Bürger und ArbeiterSchätze zu gewinnen, gegen die sein Reichthum ihm oft genugwinzig erscheinen mochte. Und wenn seine Steuereintreiberdieser halben Million von fleißigen Menschen auch täglichmehrere Tausend Goldthaler abpreßten — wußte er denn, wieviel sie noch in ihren geheimen Truhen verbargen, um sie beigünstiger Gelegenheit, in einer neuen „Fronde", zu seinemSturze zu verwenden? Und noch ein anderes ärgerliches Mo-ment: da kamen aus allen Richtungen der Windrose Fremde,Ausländer, Neugierige in sein Land — nicht, um ihn allein,das „Wunder der Welt", wie er sich selbst auf einem Triumph-bogen nannte, sondern um Paris zu sehen, dieses verhaßteParis, das bei aller äußerlichen Unterwerfung etwas so Angst-einflößendes im Blick hatte. Wahrlich, er hatte alle Ursache,Mißtrauen und Eifersucht gegen Paris zu hegen.
Polizei und Spitzetthmn In seinem Bestreben,