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die gesammte Verwaltung des Landes möglichst vollständig zuzentraleren und nach seiner Willkür zu lenken, hatte Ludwigden Provinzialgouverneuren, den städtischen Parlamenten undden ständischen Vertretungen jede Selbständigkeit genommen.Gesetzgebung und Steuerausschreibung waren ganz in seinerund seiner Minister Hand, nur mit unterthänigsten Petitionendurften sich ihm diese Behörden und Korporationen nahen.
Dafür wurde auf allen Gebieten des öffentlichen Lebensdie Polizeischnüffelei eingeführt und in ein System gebracht.In der Verwaltung wie in der Rechtsprechung hatten dieköniglichen „Intendanten" und deren Unterbeamte, die von denMinisterien abhängig waren, die eigentliche Macht. In Pariswurde die Sorge für das Polizeiwesen dem Parlament ge-nommen und eine königliche Polizei unter einem besonderenGeneral'Lieutenant eingerichtet, die sich alsbald als ein furcht-bares Werkzeug des Despotismus erwies. Ueberall gab esSpione des Königs und seiner Minister, zumal der nach Col-berts Tode allmächtige Louvois, der brutalste und gewissen-loseste aller Handlanger Ludwigs, führte das System desSpitzelthums in raffinirtester Weise durch.
Ein Briefgeheimniß gab es in jenen Tagen nicht. AlleSendungen wurden von den Angestellten der Postpächter er-brochen, alle Korrespondenzen gelesen, und wenn irgend etwas„Verfängliches" in denselben enthalten war, wanderten sie so-gleich in die Hände des Königs, der kein größeres Vergnügenkannte, als diese heimliche Briefschnüffelei.
„Eine verächtliche Aeußerung über den König und dasGouvernement", sagt der Herzog von St. Simon in seinengeheimen Memoiren, „ein Spott, kurz jede verdächtige, auf-fallende Stelle eines Briefes brachte ohne Rettung, ohne weitereUntersuchung den Untergang. Es ist unglaublich, welcheMenge Menschen von allen Arten dadurch mehr oder weniger„unglücklich wurden." Da hatten die Schergen des Königs voll-auf zu thun: zu Hunderten und Tausenden wurden beimgeringsten Anlaß die berüchtigten Kabinetsbesehle, Isttres äs