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Im Jahre 1691 werden nicht weniger als 100 MillionenFranken durch diesen Aemterverkaufzusammengeschwindelt. Adels-diplome werden ansgeboten, wie die Plunderwaare auf denJahrmärkten: 50000, dann 30000, dann 20000 Franksdas Stück — „zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten —nobel, fein, vornehm — wer will noch eins?" Und diese neu-gebackenen „Edelsten und Besten" werden steuerfrei, und dieLasten, die sie bisher trugen, werden immer wieder auf dieschwachen Schultern der arbeitenden Klassen gepackt!
Aber immer mehr und mehr Geld wird nöthig, und sogeht es schließlich auch den Besitzenden an den Kragen. Siemüsse», bei Strafe der Galeere, ihre Gold- und Silbersachenin die königliche Münze tragen und dafür minderwerthigeSchatzanweisungen in Tausch nehmen. Für die Herren vomAdel wird eine nicht zu niedrig berechnete Wappentaxe ein-geführt. Der steuerfreie Klerus wird zu „freiwilligen Ge-schenken" an den König gezwungen, die allmählich zu einerstattlichen Anzahl von Millionen anwachsen. Zu verschiedenenMalen meiden Münzvcrschlechierungen vorgenommen, durch diedem Lande Hunderte von Millionen gestohlen werden undgewissenlose Spekulanten Gelegenheit zur Bereicherung erhalten.Anleihe auf Anleihe wird aufgenommen, Domänen werden ver-kauft und verpfändet, und auch die „Lotterie", diese von jeherbeliebte Dummheilssteuer, erscheint auf dem Tapet. Und end-lich, als alle Stricke reißen, wird eine allgemeine, in 22 Klasseneingetheilte Kopfsteuer ausgeschrieben, die der Steuerfreiheit deroberen Stände zu ihrer keineswegs freudigen Ueberraschung einEnde macht.
Diese furchtbaren Opfer brachten über Frankreich dasentsetzlichste Elend. Ackerbau und Handwerk, Gewerbe undKunst, Industrie und Handel liegen gänzlich darnieder. Derfranzösische Weinbau, diese ergiebige Quelle des Wohlstands,ist auf lange Zeit hin vernichtet. Durch arge Mißerntenwerden die Getreidepreise für die Bevölkerung unerschwinglich,Hunger und Seuchen dczimiren das Volk, Bettler ziehen zu