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in gleicher Weise, wie einst Philipp H- in Spanien, zuMOberhaupte der Landeskirche zu machen. Er war den PlänenColberts nicht abgeneigt, der das nahezu 300,000 Köpfe starkeHeer von Mönchen, Nonnen und Weltgeistlichen nach Möglich-keit einzuschränken suchte. Die Vertheilung der kirchlichenPfründen, der mehr als hundert Bisthümer, der einträglichen' Aemter in den tausend Landesklöstern, der zahllosen Dom-herrenstellen u. s. w. war vollständig in der Hand der Krone— der Papst besaß nur ein formelles Bestätigungsrechtinnerhalb der gallikanischen Kirche.
Als die Lehre des Bischofs Jansen*) sich in Frankreichausbreitete, hatte Ludwig durchaus nichts gegen sie einzuwenden,und eifrige Jansenisten erstiegen sogar, wie der MinisterPomponne, die höchsten Ehrenstellen. Die Hugenotten,die Vertreter der emporstrebenden französischen Bourgeosie, dieHauptstützen des Colbert'schen Merkantilsystems und wohl inganz Frankreich die besten Steuerzahler, waren von Ludwigin den beiden ersten Jahrzehnten seiner Regierung ebenso un-behelligt geblieben, wie in der Hauptsache unter Heinrich IV.,Richelieu und Mazarin.
Da gerieth Ludwig um das Jahr 1680 in die Netzeder Wittwe Scarron und ihrer frommen Clique, und derschwachköpfige, unwissende und zum Aberglauben geneigte Mon-arch ward alsbald vollständig zum Sklaven ihrer jesuitischenRichtung.
Franziska Scarron (geb. 1635), stammte aus der be-rühmten Hugenottenfamilie d'Aubign«, war jedoch zumrömischen Bekenntniß übergetreten und nach einem abenteuer-lichen Leben Gattin des greisen Dichters Scarron geworden.Sie wurde früh Wittwe und wußte sich die Gunst derMontespan zu erwerben, deren Kinder sie erzog. In geschickterWeise hatte sie ihre Brotherrin aus der Gunst des Königs
*) Jansen strebte eine Reformation des katholischen Kirchen-thnms an.