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durch königliches Gesetz Dom 22. Oktober 1685 aufgehobenund statt dessen eine Reihe von Verfolgungsmaßregeln überdie Reformirten verhängt. Frankreich war wieder das „einigekatholische Land", das es vor der Reformation gewesen.
Mit furchtbarer Grausamkeit wurde nun die Ausrottung» der Hugenotten betrieben. Mehr als 200,000 derselbenretteten sich durch die Flucht ins Ausland — sie nahmenmit sich den Gewerbfleiß und die Intelligenz, durch die siesich in Handwerk, Handel und Industrie ausgezeichnet hatten.
Bigotterie und Frömmelei wurden mehr und mehr amHofe und in der Gesellschaft heimisch. Das hinderte den Bet-bruder Ludwig freilich nicht, daß er von Zeit zu Zeit wiederkleine Rückfälle in seinen Selbstherrlichkeitswahn bekam. Nachdem Frieden von Nyswyk ließ er eine Medaille schlagen, aufder er sich selbst als Frankreichs „rettende Vorsehung" pries.Ferner ließ er in Paris seine Reiterstatne aufstellen, derenEinweihung wieder ganz nach dem alten Ritus des Srmnen-königthums in Szene gesetzt wurde. Auch seine Bauwurhkam wieder zum Durchbruch, doch baute er jetzt mit VorliebeKirchen, um seine römischen Freunde bei guter Laune zu er-halten. Und endlich, im Jahre 1700, kam eine Gelegenheit,die das trügerische Bild der Universalmonarchie noch einmal vorseinem Geiste auftauchen ließ und sein eigensinniges Greisenherzmit neuen Machtgeliisten erfüllte.
Die spanische Erbfolge. Spaniens Thron ward„erleb.gt" — die Dynastie der spanischen Habsburger, durchjahrhundertelang fortgesetzte Ausschweifungen bis zur Kraft-losigkeit entartet, war mit Karl II. ausgestorben. Kurz zu-vor aber war auch der Kurprinz Ferdinand von Baiern, dernächste Erbe der spanischen Krone, verstorben — nach derMeinung seines Vaters durch Gift, das ihm von Seiten derösterreichischen Habsburger beigebracht worden.
Mit Hochdruck halten die Jesuiten und der Papst daraufhingearbeitet, daß Karl noch ausdem Sterbebett den Enkel ihresjetzigen „Schützlings" Ludwig, den Herzog Philipp von