Buch 
Katharina II. von Russland : August der Starke - Kurfürst von Sachsen, König von Polen ; Papst Alexander VI. ; Karl Leopold - Herzog zu Mecklenburg-Schwerin ; Ludwig XIV. - König von Frankreich
Entstehung
Seite
60
JPEG-Download
 

60

Anjou, zu seinem Nachfolger ernannte. Kaum hatte Karldie Augen geschlossen, so rückten auch schon die AbgesandtenLudwigs, ohne die übrigen Mächte zu befragen, in Spanien ein,um die ganze gewaltige Erbschaft Spanien, Belgien, Mai-land, Neapel, Sizilien, Sardinien und das ungeheure Gebietder spanischen Kolonien als gute Beute für die Dynastie ,der Bourbonen einzuheimsen. Was die Bevölkerung dazu sagte danach fragte niemand, sie ging einfach aus einer Hand indie andere über, wie die Schaf- und Rinderheerden zu denZeiten Jsaaks und Jakobs.

Ludwig gedachte aus den spanischen Landen ein bloßesAnhängsel Frankreichs zu machen und gab seinem Neffendementsprechend die nöthigenInstruktionen". Da aber erhobsich voll Ingrimm die alte Coalition: Holland und Englandsahen ihren Handel mit den spanischen Colonien bedroht, unddie österreichischen Habsburger, nicht gewillt, dem bourbonischenNebenbuhler die ganze Beute zu überlassen, präsentirten indem Erzherzog Karl*) einen Prätendenten, der wenigstens einenTheil der Erbschaft beanspruchte. In Ludwig aber war derganze alte Cäsarenhochmuth erwacht: er wollte nicht nur voneiner Theilung nichts wissen, sondern kränkte auch die Gegner,zumal die Seemächte England und Holland, indem er ihrenHandel zu chikaniren begann.

Der Ausbruch des Krieges war unvermeidlich. Zumdritten Mal ward Europa der Schauplatz der fürchterlichstenKämpfe, die durch vierzehn volle Jahre den Erdtheil in eineblutige Wahlstatt verwandelten. Dieselben entsetzlichen Bilder,die bereits zweimal während der Regierung Ludwigs in endloslanger Reihe an den Augen der aufgescheuchten Völker vor-übergezogen waren, entrollten sich aufs Neue: Mord, Brand,Verwüstung an allen Ecken und Enden, in Holland, Deutsch-lauo, Italien, Spanien und zueletzt in Frankreich.

*) Er nannte sich als spanischer Prätendent Karl III. undspäter, als Kaiser, Karl VI.