79
lich den Reichsten und geheim den Verwandten oder garniemand — ohne Geschmack und ohne Patriotismus nnrohne Lektüre. . . .
Ich mach' eö aber gar zu toll; kein Leser wird hinterdem Rittmeister einen Fuß nach Unterscheerau setzen wollen.Ihr größter Fehler ist, daß sie nichts taugen; aber sonstsind sie fleißig, voll lauter Kaufleute, enthaltsam und fegendie Gassen und Gesichter hübsch. Residenzstädte haben wieHöfe Familienähnlichkeit; aber Landstädte haben — je nach-dem mehr kaufmännische, militärische, juristische, bergmänni-sche, seemännische Säfte in ihnen rinnen — ein verschiedenesVollgcsicht und Halbgcsicht.
Vor der uberblcchten Hausthür des Professors der Mo-ral, Hoppedizel, stieg die Falkenbergischc Schiffgesellschastaus ihrer fahrenden Arche; sie hielt in des Professors zwei-tem Stockwerk gewöhnlich ihr Winterquartier. Gleich hinterder Hausthür stieß der Rittmeister auf ein tolles Melodrama.Nämlich der Flößinspektor Peu sehet lehnte sich an dieWand und vomierte und schimpfte; und wechselte mit beide,»regelmäßig, wie mit Pentameter und Herameter. — DerProfessor der Moral schrieb mit einem uneingetunkteu Fin-ger ruhig die Züge folgender Worte an die Wand, die erunaufhörlich ablas: „ekelhaft war's wol, verteufelt ekelhaft!"— Jeden andern hätte ein eintretender alter Freund wie Fal-kenberg sogleich in der ganzen Szene gestört; aber der Pro-fessor war nicht aus seinem Spaß zu ziehen, sondern hobseine Umhalsung in unverändertem Tone mit dem Rapportdes gegenwärtigen Vorfalls an: „gegenwärtiger Herr Flöß-„inspektor Peuschel", begann Hoppedizdl, „zeche gern, Wein„nämlich — es habe nichts verfangen, daß die Frau Jnspek-,,korin (— denn schonende Diskrezion war nie auf Hoppe-„dizels Lippen —) ihn habe umbessern wollen durch einenI. 8