Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
100
JPEG-Download
 

100

und Kanzel am Bußtage mit einem Frack von schwarzemTuch — buntes war ihm nicht heilig und wohlfeil genug —übersohlen lassen. Diese schwarze Emballage blieb daran alsLanrirauer. Der alte Röper hatte mithin wenig Schlaf mehr,weil er besorgte, die Kirchen-Greifgeier zögen dem Maussen-bacher Altar das Ehrenkleid aus und nähmen den mit silber-nen und scidnen Lettern aufs Tuch genähten Schuldscheinmit, welcher besagte, wer alles hergeschenkr. Sein Gerichts-haltcr Kolb, dem ein Diebfang Zobelfang und Perlenfische-rei ist, umgab daher die Kirche mit allerlei Fälkenaugen; eswäre aber nichts gewesen, wenn nicht der FalkenbergischeBediente Nobisch am Sonntage Abends, sobald die Kirchezugeschlossen war, zum Schulmeister gesagt hätte, „er sollesie so zulassen, er habe die Kirchleute gezählet und drei wä-ren nicht mit herausgegangen." Kurz man blockirte denTempel bis Nachts und — zog glücklicher Weise drei ver-steckte Tuchkorsaren aus dem Andachtorte heraus. Am Mor-gen erstaunt alles, die drei Kirchgänger fahren auf einemLeiterwagen zum Scheerauer Thor hinein und haben sämmt-lich schwarze Röcke und Unterkleider an — Abends sindsie verschwunden. Für den Hof (wenn er nicht noch geschla-fen hätte) war's ein häßlicher Prospekt, daß eine Räuber-bande so gut wie er Hoftrauer angelegt und sich deswegenvie Trauergarderobe aus Kirchen gestohlen hatte.

„Henken sollte man dich," sagte der Rittmeister zu sei-nem Kerl — „arme Diebe ins Unglück zu bringen, die kei-nem Menschen etwas nehmen sondern nur Kirchen." —„Aber für solche Schufte (sagt' ich) gehört doch auch keineHoftrauer, schon des Aufwands wegen. Warum darf manüberhaupt nicht seinen leiblichen Vater*), aber wol den

"1 Im Scheerauischen war damals, wie in nach einigen Staa-ten den Unterthanen alle Trauer verboten.