Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
141
JPEG-Download
 

141

neben Gustav verweilte nur noch Regina »>mr der dunkelnLaube, um eiligst inst ihrer Schürze die Spuren der Erzäh-lung aus den Augen zu bringen und mit einer Nadel sichetwas hinauszustecken — er stand dem Gesichte, auf dem soviele schöne Abendrötheu seines Lebens untergegangen waren,so nahe, und so stumm und hielt sie ein wenig als sie nach-wollte — wäre sie stille gestanden, so hält' er sie nicht hal-ten können; aber da sie riß: so umfaßte er sie fester und imgrößern Bogen — ihr Ringen vereinigte beide, aber seinertrunknen Seele ersetzte die Nähe den Kuß — daS Sträubenführte seine zuckenden Lippen an ihre — aber doch erst alssie seine Brust von ihrer wegstcmmte und seine mit der Na-del zerritzte, dann erst drückte er sie mit unaussprechlichervom eignen Blute berauschter Liebe an sich und wollte ihrenLippen ihre Secld auSsaugeu und seine ganze cingießen —sie standen auf zwei entfernten Himmeln, zu einander überden Abgrund herübergclehut und einander aus dem zitterndenBoden umklammernd, um nicht loslassend zwischen die Him-mel hinunter zu stürzen.

.... Könnt' ich seinen ersten Kuß tausendmal bren-nender abmalen: ich that' es; denn er gehört unter die er-sten Abdrücke der Seele, unter die Maiblumen der Liebe,er ist die beste mir bekannte Dephlegmazion des erdigenMenschen. Nur ist es in diesem deutschen und belgische»Leben nicht möglich zu machen, daß der Mensch über füns-vder sechsmale zum erstenmale küsse. Später sieht er allezeitin seine Sachdcfinizion, die er von einem Kusse im Kopsehat, ordentlich hinein und zitirt den Paragraphen, wo'ssteht; der ganze Inhalt des dummen Paragraphen ist aberder, die eigentliche Sache sei ein Zusammenplätten rotherHäute. Wahrlich ein Autor von Gefühl kann sich nichtniedersetzen und bedenken, daß ein Kuß eines von den wenigen