Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
185
JPEG-Download
 

185

da ich sehe, daß der Mensch seine Freuden, aber nicht seineVerdienste durch die Erinnerung erneuern kann, und daß unsreGehirn-Fibern die Saiten einer Aeolsharfe sind, die unterdem Anwehen einer längst vergangnen Stunde zu spielen be-ginnen. Der große Weltgeist konnte nicht die ganze sprödeChaos-Masse zu Blumen für uns umgestalten; aber unseremGeist gab er die Macht, aus dem zweiten, aber biegsamernChaos, aus der Gehirn-Kugel nichts als Rosen-Gefilde undSonnen-Gestalten zu machen. Glücklicherer Rousseau als Duselber wußtest! Dein jetziger erkämpfter Himmel wird sich vondem, den Du hier in Deiner Phantasie anlegtest, in nichtsals darin unterscheiden, daß Du ihn nicht allein bewohnest....

Aber das macht eben den unendlichen Unterschied; undwo hätt' ich ihn süßer fühlen können als an der Seite mei-ner Schwester, deren Mienen der Wiederschein unsers Him-mels, deren Seufzer das Echo unserer verschwisterten Har-monie gewesen. Sei nur immer so, theure Geliebte, die Dudvm Kranken so viel littest als ich von der Krankheit! Ichweiß ohnehin nicht, was ich öfter von Dir zurücknehme.Meinen Tadel oder mein Lob!

Wir langten unter sprachlosen Gedanken in Unterschecrauan und fanden unsern bleichen Reisegenossen schon bereit,weinen Gustav. Er schwieg viel und sehne Worte lagen un-wr dem Drucke seiner Gedanken; der äußere Sonnenschein"blich zu innerem Mondschein, denn kein Mensch ist fröhlich,wenn er das Beste sucht oder zu finden hofft, was hieniedeniu verlieren ist <— Gesundheit und Liebe. Da in solchenBällen die Saiten der Seele sich nur unter den leichtestentigern nicht verstimmen, d. h. unter den weiblichen: so ließ^ meine ruhen und weibliche spielen, die meiner Schwester.

Als wir endlich manchen Strom von Wohlgeruch durch,schnitten hatten — denn man geht oft draußen vor Blumen»