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es aber auch nicht zu leugnen, dass bei der Darstellung der Vor-gänge vielfach Ehrgeiz, Eitelkeit, Parteilichkeit, persönlicher Hassund viele andere üble Eigenschaften zur Geltung kommen und dassnamentlich in Folge politischer Parteileidenschaften nur zu häufig dieThatsachen völlig entstellt werden. Auch das verzeihliche Bestrebendes Besiegten, seine Thaten wenigstens auf beschränktem Gebiete inmöglichst günstigem Lichte erscheinen zu lassen und die begangenenFehler zu rechtfertigen, führt zu Schönfärbereien, welche der Richtig-keit der Darstellung Eintrag thun. Nimmt man noch hinzu dieausserordentlich lebhafte Einbildungskraft und die heftige Leiden-schaftlichkeit der romanischen Rasse, so kann man es dem objektivenGeschichtsschreiber nicht verargen, wenn er den vorliegenden fran-zösischen und italienischen Quellen, von denen auch nicht eineeinzige einen vollkommen amtlichen Charakter trägt, mit Vorsichtgegenübertritt und nur diejenigen Angaben als zweifellos richtigannimmt, welche ihrer ganzen Beschaffenheit nach einerseits nichtfalsch sein können, andererseits durch vergleichende Prüfungunter einander sowohl, als mit denjenigen des Gegners Ueberein-stimmung ergeben haben. Wenn man auch auf diesem Wege zurFeststellung einer ganzen Reihe von Thatsachen gelangt und sichüberzeugt, dass die oft gehörte Beschuldigung, die französischenAngaben seien absichtlich entstellt und unwahr, soweit esernste Schriftsteller betrifft, ungerecht ist, so bleiben doch nocheine grosse Menge Fragen offen, welche erst aus den französischenArchiven eine Beantwortung finden können. Da aber eine Eröffnungderselben in absehbarer Zeit kaum zu erwarten ist — jedenfallsnicht, so lange noch Leute in der Republik in massgebendenStellen sich befinden, denen die Aufdeckung gewisser Vorkomm-nisse in der Zeit des grossen Krieges unangenehm sein könnte —so hat der Verfasser es unternommen, in möglichst unparteiischerWeise eine Klarstellung der Ereignisse dieser überaus fesselndenund lehrreichen Episode nach den vorliegenden Quellen, und zwarfür die deutsche Seite zum allergrössten Theil auf die dienstlichenAkten des Kriegs-Archivs des Grossen Generalstabs gestützt, zuversuchen. Er verfolgt dabei zugleich den Zweck und hegt dieHoffnung, dass Theilnehmer an jenen Kämpfen oder Solche, welcheim Besitz von Aufzeichnungen darüber sind, — namentlich aus denKreisen unserer damaligen Gegner — sich dadurch anregen lassen