54
Nach Beginn des Krieges schossen sie in Folge Erlasses desMinisters des Innern vom 12. August, welcher zur Bildung vonFranktireur-Korps aufforderte, in allen Theilen des Landes unterdem Antrieb einzelner entschlossener, thatkräftiger Männer wiePilze aus der Erde; sie fanden namentlich bei den besseren Ge-sellschaftsklassen viel Anklang, da der Dienst bei ihnen mehrFreiheit, wie in der Mobilgarde, der sie durch Erlass vom27. August gleichgestellt wurden, gewährte und von ihnen gewisser-massen als Sport behandelt wurde. Noch mehr wurde der Bildungvon Freikorps durch den Erlass vom 28. September Vorschub ge-leistet, nach welchem den in Freikompagnien, anstatt in die Armee,Eintretenden ein täglicher Sold von 1 Fr., den Unteroffizieren von1,50 Frs. und ausserdem u. a. die Beschaffung der Verpflegungdurch Anforderung zugebilligt wurde, eine Massregel, durch welchedem stehenden Heere und der mobilisirten Nationalgarde bessereElemente vorenthalten und die Ergänzung dieser Kategorien nichtunwesentlich geschädigt wurde.*)
Nach Dormoj zählte die Vogesenarmee 47 Franktireur-Kompagnien in einer mittleren Stärke von 60 bis 70 Mann . a )
Wenn die italienischen Freiwilligen schon aus sehr zusammen-gewürfelten Elementen bestanden, so war dies in noch weit höheremGrade bei den in überwiegendem Masse aus Franzosen be-stehenden Franktireurs der Fall: „alle Gesellschaftsschichten warenunter ihnen vertreten vom Zeitungsschreiber bis zum Millionär,Schubflicker und Rechtsanwälte, Pächter und Professoren, Aerzte,alte Soldaten, Künstler, Junggesellen und Eheleute, jung und alt. 3 )Neben der französischen hörte man ausser der deutschen,meist nur romanische und orientalische Sprachen reden: spanisch,portugiesisch, italienisch, provenpalisch, bulgarisch, griechisch,türkisch, arabisch. 4 ) „Unsere Gesellschaft war sehr gemischt“,sagt Dormoy 6 ), „aber gemischt im guten Sinne des Wortes, wiebei den Zuaven-Kompagnien. Wir hatten nicht bloss die Hitz-köpfe der grossen Städte an uns gezogen. Durch unsere Lebens-weise verführt, waren Söhne reicher Familien zu uns geeilt, ihrGeld in unserer Mitte auszugeben. Die Universitäten schicktenuns einen starken Baun von Studenten. Die freien Berufe, ins-besondere der Journalismus, zogen uns den anderen Truppentheilenvor. Mehr als ein Weib hat ihre Haare abgeschnitten, um unsereGefahren zu theilen .... Die unmittelbar drohende Gefahr unter-
i) Seg. 141 und 342. - i) 2 ) D. III 48. — 3 ) Mar. 49. - *) I). III 48. -
■'-) Dor. 93.