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drückte unter uns die gesellschaftlichen Unterschiede, sie vereinigteuns alle zu der einzigen wahren Gleichheit, nämlich der des Todes,und untersagte uns, allzu neugierig die Papiere derer, die mit unszu sterben verlangten, zu durchwühlen.“
Der Italiener Bizzoni aus Garibaldis Stabe schildert 1 ) dasLeben der Franktireurs so, dass es für junge Leute und Abenteurerviel Anziehungskraft besessen haben mag: „Immer hatten sie inden elendesten Dörfern einen guten Tisch und die ausgezeichnetstenWeine. Dabei wurden geräuschvolle Toaste ausgebracht; BerangersLieder folgten den Versen Victor Hugos; dann begannen die Toastevon Neuem. Aber beim ersten Signal verschwanden die Offiziere,sammelten ihre Leute, und die Truppe marschirte voller Lebendig-keit vergnügt ab. Wahre Zigeuner des Heeres, immer im Marsch,unbekümmert um den nächsten Tag hatten sie eine ausgesprocheneSchwäche für die reichen Schlösser; aber verwandelte sich dasSchloss in einen mistbedeckten Stall oder in eine leere Hütte, sobeklagten sie sich auch nicht.“
Die Mehrzahl der Freiwilligen •wird aber mit dem Hinter-gedanken zu den Waffen geeilt sein, den Anforderungen der Manns-zucht nur das äusserst Erforderliche an persönlicher Freiheit zuopfern. Die Korps bildeten sich durch freie Vereinigung: einigejunge Leute, im Verlangen, „de faire le coup de feu“, thaten sichals Ausschuss zusammen, ergänzten sich durch Kameraden, gabendem so gebildeten Freikorps phantastische Namen und Uniformenund wählten ihre Führer; dann verlangten sie von der BehördeWaffen, Schiessbedarf und eine Marschroute und begaben sich zumHeere. In Döle, Autun oder Dijon wurden sie angenommen undeiner der vier Brigaden unter möglichster Belassung ihrer Besonder-heiten einverleibt. Diese Mannigfaltigkeit der Organisation hatte,als später die Effektivstärken wuchsen, viele Unzuträglichkeiten füreinheitliche Verwendung im Gefolge. 2 )
An eine Gleichmässigkeit der Uniform der Franktireurs warnicht zu denken, da eine solche von der Regierung nicht vor-geschrieben war; die einzelnen Kompagnien hatten sich bei ihrerBildung theils eine der menschlichen Eitelkeit schmeichelnde, rechtin die Augen fallende, phantastische Kleidung gewählt oder, ummit ihrer Ausrüstung möglichst bald fertig zu werden, das erstebeste vorhandene Tuch genommen. Dadurch war eine ausser-ordentliche Buntscheckigkeit in der äusseren Erscheinung entstanden.
ij Mar. 79. — 2 ) Se. 291.