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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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Beleidigungen, Bedrohungen, Beunruhigung der Sicherheit auf denStrassen, Diebstahl, Raub, Schiessen auf Offiziere der Mobilisirtenin solchem Grade vor, dass Pellissier am 22. Januar, also inmittender Kettlerschen Angriffe auf Dijon, einen sehr scharfen und deut-lichen Brief behufs Abstellung dieses Unwesens an Garibaldi richtenmusste. 1 ) Auch die bürgerlichen Behörden hielten ein Einschreitengegen die Franktireurs für unbedingt geboten. Der Präfekt LuceYilliard beantragte beim Kriegs-Ministerium, ihm, wie den Generalen,ungesäumt eine feste Machtvollkommenheit über alle Franktireurszu verleihen, welche, anstatt zu nützen, dadurch Schaden anstifteten,dass sie auf den Strassen alle Personen, denen sie begegneten, alsSpione festnahmen, in die Häuser eindrangen und Anforderungenmachten. 2 )

Gegen die vielfachen, über solche Zustände wider die Frank-tireurs erhobenen Vorwürfe und Schmähungen sucht Dormoy seineKameraden zu vertheidigen: 3 )Unsere politischen Gegner sagen,wir wären angelockt worden durch den Durst nach Plünderung,durch den Köder eines hohen Soldes, durch die schlimmstenNeigungen des Thieres im Menschen. . . . Den Rückzug deckendoder die Schlacht eröffnend, bezogen die Franktireurs, die gewöhnlichdem Heil des Heeres geopfert wurden, als verlorene Kinder derVolksvertheidigung, täglich 20 Sous Sold. Hinter ihren Aerztenrollte keine Ambulanz. Kein Trossfahrzeug brachte ihnen Schiess-bedarf heran. Keine Pioniere bahnten ihnen den Weg. KeineIntendanz theilte ihnen Lebensmittel aus. Da ihnen überall dieVorahnung rother Wiedervergeltungsmassregeln vorausging einSchrecken für die Häuser, denen sie das Petroleum auf den Hals (?)zogen kann man sich da wundern, wenn sie die Thüreu ein-stiessen und, um nicht für Einsatz ihres Lebens Hungers zu sterben,manchmal Geflügel erwürgt oder das für die Preussen aufbewahrteBrot mit dem Bajonet genommen haben ?

Trotz aller Misstände ist nicht zu leugnen, dass die Frankti-reurs eine nicht unwesentliche Rolle in dem Gefüge des damaligenfranzösischen Heeres gespielt haben: bei den grossen Operationenmussten sie den, durch die Kapitulationen von Sedan und Metzherbeigeführten, äusserst fühlbaren Mangel an Reiterei im Sicherheits-und Aufklärungsdienst zu ersetzen suchen; im kleinen Kriege ver-sahen sie die Stelle der Parteigänger und gerade zu diesem Zweckbewies die von Garibaldi anempfohlene Bildung k 1 e i n e r Truppen-

>) Pel. 91. - 3 ) E. p. VI. 303. - 3 ) Dor. 92.