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„Die handelnde Seele der Vogescnarmee war Colonel Bor-done. Garibaldi — verbraucht, krank, abgemattet — war ihreFahne.“ 1 ) Der Generalstabschef war der eigentliche Oberbefehls-haber. In seinem „offiziellen“ Buch kann man dies zwischen denZeilen lesen. Er giebt die Pläne und Absichten der Vogesenarmeeals die seinigen aus; er selbst schiebt Garibaldis Verantwortlichkeitbei Seite: „am häufigsten verbarg man Garibaldi Alles, was ihmunangenehm sein konnte.“ 2 ) Darum ist auch für die Vorgänge undVerhältnisse bei der Vogesenarmee in erster Linie Bordone ver-antwortlich zu machen.
Diese räthselhafte Persönlichkeit war 1831 zu Avignon geborenund stammte, dem Namen nach, von italienischen Voreltern. Uebersein früheres Leben finden sich sehr widersprechende Angaben, jenachdem sie von politischen Freunden oder Gegnern, der er sicheine recht erkleckliche Zahl zu rühmen vermochte, herrühren. Ehe-mals Hilfschirurg 2. Klasse in der Marine, wird er in den Aktendes Assisenhofes zu Paris als Doktor der Medizin zu Avignon be-zeichnet und ist am 13. März 1857 vom Gericht zu La Chätre wegenPrügelns (coups) mit 10 frs., am 2. Juli 1858 von demselbenGericht wegen Unterschlagung von Sachen (detournement d’objets)mit 5J frs., am 20. Juli 1860 vom Pariser Gericht wegen Gaunerei(escroquerie) mit 2 Monaten Gefängniss und 50 frs. bestraft worden.Letztere Strafe scheint 3 ) irrthümlicb, während Bordone mit Garibaldiin Sizilien war, verhängt worden zu sein.
Ob die Behauptungen seiner Feinde, dass er dieser Ver-urtheilungen wegen das Vaterland verlassen habe, richtig sind,darüber herrscht Dunkel. Jedenfalls hat er an den Befreiungs-kämpfen Italiens im Zuge der „Tausend“ unter Garibaldis FührungTheil genommen und dabei den Rang eines Obersten erhalten, denihm Gambetta „während der Dauer des Krieges“ bestätigte. EinMann von grosser Gewandtheit, jedoch in einer Lebensstellung, dieseiner Klugheit und seinem Ehrgeiz nicht genügte, gehörte er zudenjenigen Menschen, die nicht versäumen, politische Umwälzungeuzu benutzen, um ihre Lage zu verbessern und wo möglich eineRolle zu spielen. Seine Beziehungen zu Garibaldi dienten ihm dazuals Handhabe: seine Schlauheit erweckte ihm schnell die Ueber-zeugung, dass, wenn es ihm überhaupt gelänge, den alten Freiheits-heldennach Frankreich herüberzulocken, er ihm bei seinem physischenund psychischen Zustande sehr bald unentbehrlich werden würde.Dazu musste er die Stelle als Chef des Generalstabes an Garibaldis
!) Dum. 98 Anm. 1. — 2 ) E. p. IV 557. — 3 ) Nach. L. N. 39 Anm.2.