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Vogesenarmee. Bordone, der nicht daran dachte, Bombonel zuHilfe zu kommen, suchte der Bitte in sophistischer Weise dieBerechtigung abzusprechen, indem er Jenem telegraphirte: „Daman Sie mit nur 100 Mann in Gray gelassen, hat man nicht darandenken können, von Ihnen zu verlangen, es zuvertheidigen;ich halte dafür, Sie müssen sich damit begnügen, zu beobachtenund sich auf die Hauptmasse Ihrer Streitkräfte zuröckzuziehen, welchevon dem Befehlshaber befehligt werden, der Sie dort gelassen hat.Die augenblickliche Lage gebietet uns, keine neuen Kräfte vonDijon, das wir vertheidigen sollen, abzuzweigen Wir glaubenübrigens nicht an eine unmittelbar drohende (imminente) Besetzungvon Gray durch den Feind, ebensowenig wie an die der übrigenPunkte, wo er seit 7 bis 8 Tagen Scheinbewegungen gemacht hat.Im Gegentheil weist Alles darauf hin, dass die feindlichen Kräftesich gegen den Osten bewegen und in diesem Augenblick besondersauf Fontaine Fran^aise und Champlitte.“') Unwillkürlich drängtsich dem Leser dieser und anderer Kundgebungen Bordones dieFrage auf: Welchen feinen Unterschied machte Bordone zwischenden nach Gray oder dennoch dem Osten gerichteten feindlichenBewegungen? Hatte er gar kein Verständnis dafür, dass diese,mochten sie gegen einen mehr oder weniger nördlich gelegenenPunkt der linken Seite der Ostarmee gerichtet sein, in gleicherWeise für letztere bedrohlich werden mussten ? Ein Blick auf dieKarte musste ihn übrigens darüber aufklären, dass der Weg nachGray über Fontaine Frangaise führte!
Bombonel telegraphirte an demselben Abend 11an Pellissierzurück: „Wenn ich nicht am 17. Morgens Verstärkung von1500 bis ‘2000 Mann erhalte, so wird der Bahnhof von Grayräumen, keine Verpflegung mehr für Bourbakis Heer. Es ist sehrdringend, dass mir die verlangte Verstärkung geschickt wird.“ 2 )
Am 17. musste ein von Dijon nach Langres abgelassenerEisenbahnzug mit Artilleriematerial von Auxonne wieder zurück-fahren, weil die Nachricht einging, dass Gray vom Feinde besetztoder wenigstens stark bedroht wäre. Auf Pellissiers Meldungdarüber an das Kriegs-Ministerium fragte Freycinet verwundertund besorgt bei Garibaldi an, wie es möglich wäre, dass der Feindes wagen könnte, sich in der Nähe seiner „braven“ Armee zuzeigen, ob Bordones Wachsamkeit schlummerte; er sollte erklären,ob das Kriegs-Ministerium Gray durch besondere, nicht zurVogesenarme gehörende Truppen bewachen lassen sollte. 3 )
i) Bo. CdE. 239. — 2; Bo. 317. — 3 ) Per. II 687 No. 740.