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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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getroffene Batterien schwere Zwölfpfünder J ) auf 98 Stück erhöhewurden. Endlich ist aber anzunebmen, dass Bordone wie erdem Kriegs-Ministerium am 20. Januar 7 22 V. meldete, 2 ) dass eres im Falle des Bedürfnisses thun würde von den 19 für Langresbestimmten (vermuthlich Festungs-) Geschützen, deren Bahnbeför-derung über Gray einige Tage zuvor zur Vermeidung ihres Verlustesunterlassen worden war, in den Kämpfen der nächsten Tage Ge-brauch gemacht hat. Alsdann würde er am 21. über 99, am 23.über 117 Geschütze verfügt haben. 3 )

Colonel Coynart beurtheilt die Befestigungen um Dijon nichtgünstig: 4 )die Werke waren nicht zur Hälfte fertig, die Böschungender Gräben senkrecht, die Brustwehren, ohne Auftritt (banquette),hatten nur 1,30 m Höhe über dem gewachsenen Boden bis zurKrone; die Kurtinen der bastionirten Fronten waren nur 20 m lang,was zu ausgedehnte, leicht der Länge nach zu bestreichende Facenund zu beschränkte Flanken ergab, als dass sie den langen Facenund ausspringenden Winkeln genügenden Schutz zu gewähren ver-mochten. Trotz dieser tadelnden Beurtheilung durch Coynart undselbst wenn sie nicht allen theoretischen und praktischen Anfor-derungen der Befestigungskunst und der Artillerie genügten, ge-währten die Befestigungen immerhin eine ganz wesentliche Ver-stärkung der Verteidigungsfähigkeit von Dijon und einen festenHalt für die ihrem Werthe nach so überaus verschiedenen unddurchweg mangelhaft militärisch ausgebildeten Bestandteile seinerVerteidiger.

Bordone theilt mit, 3 ) dass die Ausgaben für die von derVogesenarmee angeordneten Arbeiten, einschliesslich der Sandsäcke,Bettungen, Anforderungen von Pferden und Wagen, nur 45000 frs.betragen hätten, eine Summe, die allerdings gegen die Kosten-anschläge des Commandanten Chenot wesentlich niedriger ist.

üeber die bei Dijon ausgeführten Befestigungsarbeiten, ins-besondere über die wesentliche Verstärkung der dem deutschenVormarsch gegenüberliegenden Stellung Talant-Fontaine und ihreBewaffnung mit schwerem Geschütz war man deutscherseits ebensomangelhaft unterrichtet, wie über die Stärke der dort stehendenfeindlichen Streitkräfte. Diese Unkenntniss macht es erklärlich,wenn General Manteuffel die Möglichkeit nicht als ausgeschlossenbetrachtete, dass General Kettler trotz der Schwäche der ihm unter-stellten Truppen sich dennoch der Stadt zu bemächtigen im Stande wäre.

9 Ja. II 184. 2 ) Bo. CdE. 195. 8 1 Die Angaben über die G-escliiitz-zahl sind, wie wir gesehen haben, so widersprechend, dass eine gründliche-Auikläraug darüber sehr erwünscht wäre. 4 ) C. 60. 5 ) Bo. 326, Anm. 1.