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aller Art im Gürtel, z. Th. aber auch gut uniformirt und gut be-waffnet.“ Es hing am seidenen Faden, dass das Personal aus Rachefür den Vorfall der letzten Nacht in Hauteville niedergemachtwurde. Ein garibaldinischer Oberst äusserte einige Tage später einemder Assistenzärzte gegenüber auf der Präfektur zu Dijon sein Be-dauern, dass nicht s e i n Bataillon in die Ferme eingedrungen wäre,in diesem Falle würde gewiss keiner der Aerzte lebend hinaus-gekommen sein.
Bald trafen auch Offiziere aus dem Stabe der Vogesenarmeein Changey ein und nahmen den Franktireurs einen der Lazareth-wagen mit Pferden, angeblich weil auf ihm Waffen sich befänden,ab. 1 ) Natürlich war das Personal des Feldlazareths bewaffnet.Mit Ausnahme des bei den nicht fahrbaren 30 Verwundetenbleibenden Chefarztes wurden alle Aerzte und Mannschaften desLazareths von einer Schaar Garibaldiner nach der Stadt gebracht:1 Stabsarzt, 3 Assistenzärzte, 1 Apotheker, 1 Lazareth-Inspektor,3 Ober - Lazarethgehilfen, 6 Lazarethgehilfen, 3 Unteroffiziere13 Krankenwärter, 1 Wachtmeister, 1 Train-Unteroffizier, 3 Gefreite,8 Trainfahrer, 8 Pferdewärter, sämmtliche Wagen und Pferde. Siewurden in Dijon vom Pöbel mit lautem Schimpfen empfangen undaller Sachen, die sie nicht auf dem Leibe hatten, beraubt. 2 )
Der in Daix zur Pflege der Verwundeten zurückgelasseneAssistenzarzt Dr. Paradies wurde nebst dem beim Medizinwagenbefindlichen Trainsoldaten gefangen genommen und Letzterersofort nieder geschossen. Derselben Gefahr entging derArzt, den man für zwei auf dem Wagen gefundene französischeGewehre verantwortlich machen wollte, nur dadurch, dass er sichals geborener Pole unter den Schutz einiger polnischer Offiziereder Vogesenarmee stellte. 3 )
Eine Anzahl von Einwohnern Dijons hatten den Sonntaggefeiert, indem sie sich mit den Waffen am Kampfe betheiligten.Hunderte von Neugierigen, selbst Frauen und Kinder, krönten dieHöhen und sahen dem Gefecht wie einem Schauspiel zu. Als dieFranktireurs gegen Abend in Dijon wieder einzogen, wurden sievon den zahlreich zu beiden Seiten der Strasse zusammengeströmtenBewohnern mit lautem Zuruf empfangen. „Die Bevölkerung, welche
i) Ga. 262. — 2 ) Das Personal wurde später unter vielen Belästigungenund Gefahren über Lyon und Genf nach Deutschland geschickt. — 3 ) Erblieb zunächst als Gefangener in Dijon und wurde Ende Januar miteinem Sanitätszug französischer Verwundeter nach der Schweiz geschickt,von wo er durch Baden sich zu seinem Regiment zurückbegab. (Sch. 385,386.)