Buch 
Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
Entstehung
Seite
371
JPEG-Download
 

371

mächtigen Infanterie- und Artilleriefeuer scheiterten.Angesichtsder überlegenen Kräfte, welche der Gegner allmählich entwickelthatte, kam nun das Gefecht, zumal auch Munitionsmangel in be-denklichem Masse einzutreten drohte, vollständig zum Stehen. Dasweite Feld südlich Pouilly wurde von den Garibaldinern über-schüttet mit Geschossen aller Art und die Führer hatten bei demfurchtbaren Getöse Mühe, sich ihren Leuten nur einigermassen ver-ständlich zu machen und die Abtheilungen in der Hand zu behalten.Da sich fast nirgends Deckungen boten, mehrten sich die Verlustebald in beträchtlichem Masse. Darunter befand sich LieutenantFlohr, der heim Vorgehen östlich der Strasse in Oberarm undOberschenkel schwer verwundet und von da an vermisst wurde,ferner die Zugführer Feldwebel Lünser, Friedrichowicz und Kohler-mann des Füsilierbataillons, von denen Letzterer am Abend starb.

Schwere Anforderungen traten an das bis dahin ohne Unter-stützung gebliebene Regiment heran. Im weiten Umkreis, vonden Höhen bei St. Apollinaire über St. Martin nach den Weingärtenam Abhange von Fontaine bis nach La Fillotte hin, zeigten sichso bedeutende Kräfte an Infanterie und Artillerie, dass schon einlängeres Verweilen vorwärts Pouilly fast das Schicksal heraus-fordern hiess. Bald schien auch ein frischer Impuls in die gegen-überstehenden Schaaren zu kommen, und die ausserordentliche Ver-stärkung des Feuers deutete auf einen demnächstigen Verstoss hin. 2 )

Wenn man sich vergegenwärtigt, so heisst es in demBericht des II. Armeekorps über die Thätigkeit des DetachementsKettler vom 26. Mai 1871 8 ),dass General Kettler aus seinemursprünglichen Rendezvous hei Valmy Ferme zunächst in derAbsicht, zu rekognosziren und eventuel Dijon zu nehmeD, vorgerücktwar, so wäre wohl jetzt, wo der durch 16, resp. 18 Geschützeunterstützte lebhafte Widerstand einen zweifellos nicht unbeträcht-lichen, jedenfalls überlegenen Gegner konstatirt hatte, der Augen-blick gekommen gewesen, das Gefecht abzubrechen, was, nach Lageder Dinge, sich als ausführbar erwies, da das Verhalten des Gegnerssich unausgesetzt als ein völlig passives darstellte und die einzigeOffensivbewegung desselben bald nach ihrem Beginn auch schonwieder aufgegeben worden war. Wenn nun General Kettlerdemungeachtet in der einmal glücklich ergriffenen Offensivebeharrte und noch weitere Kräfte zur Erringung des ihm vor-schwebenden Zieles daran selzte, so wollte er eben nicht aufhalbem Wege stehen bleiben, indem er sicherlich glaubte, in

O Sch. 397. 2 ) Ebd. ») Kr. A. K. II. 8.

24 *