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den bisher erreichten Vortheilen eine Bürgschaft mehr für dasGelingen seiner Absichten erblicken zu können.“ Mit dem letztenSatze dieser Auslassung will das General - Kommando eine Er-klärung für das Verhalten des Generals Kettler zu geben versuchen,ohne jedoch damit übereinzustimmen; seine Ansicht ist imersten Satze enthalten. Sehr wahrscheinlich ist der GedankengangKettlers der angegebene gewesen, aber man vermisst in ihm dieSchärfe und Folgerichtigkeit, die zu richtigen Entschlüssen unbedingterforderlich sind. Geht man auf den Anlass, der ihn zu erneutemVorgehen auf Dijon bewog, zurück, nämlich auf die Nachricht,der Feind befände sich auf dem Abzüge aus der Stadt in derKichtung auf Auxonne, so ist es klar, dass der General nach demWiderstand, dem er nach dem Vorbrechen aus Pouilly begegnetwar, nicht mehr zweifelhaft darüber sein konnte, dass jene Nach-richt eine irrthümliche gewesen war, dass sich vielmehr die Haupt-kräfte Garibaldis und Pellissiers — das musste er aus den ihmentgegentretenden zahlreichen Streitkräften an Mobilisirten klarsehen — noch immer vor ihm befänden und nicht geneigt wären,die Hauptstadt von Burgund ohne kräftigen Widerstand preis-zugeben. An ein tollkühnes Ueberrennen desselben durfte er nachden bisherigen Erfahrungen nicht denken. Thatsächlich hat aberKettler in diesem Sinne gehandelt, denn in seiner am 23. umMitternacht von Messigny abgesandten Meldung an das Ober-Kommando sagt er: ich drang „bis St. Martin (soll heissen:Fabrik Bargy. A. d. V.) vor, stiess aber hier auf sehr festeStellungen, gerieth unvermuthet in ein umfassendes starkesGeschützfeuer“ u. s. w. 1 ) Es war bereits über 4 Uhr Nachmittags.Da die Sonne um 4Ü unterging, so hatte er bei der wieder trübeund nebelig gewordenen Witterung höchstens noch eine StundeZeit vor sich, in der die Helligkeit ihm die Leitung der Operationenmöglich machte. Hätte sich der General nach dieser Kichtunghin seine Lage klar gemacht, so ist anzunehmen, dass er sich vonder Aussichtslosigkeit der Fortsetzung des Angriffs an diesemTage um so mehr überzeugt haben würde, als er die ihm gestellteHauptaufgabe, die Kräfte Garibaldis von der Südarmee abzuziehenund au sich zu fesseln, wieder einen Tag lang erfüllt hatte, unddie Aussicht vorhanden war, bei fortgesetzter Aufmerksamkeit sieauch fernerhin erfüllen zu können. Der General hätte dadurchfernere nutzlose, schwere Opfer vermieden, und der Verlust derFahne des II. Bataillons 61. Regiments wäre erspart geblieben!
1) Kr. A. F. III. 5.; S. 457.