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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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das angebliche Vorgehen von Reiterei gegen den linken Flügel derEinundzwanziger *) in das Reich der Fabel zu verweisen. 2 )

Es war gegen 4i5A. 3 ) Durch seinen vergeblichen, ursprünglichwohl kaum beabsichtigten Vorstoss auf die Usine Bargy hattePremier-Lieutenant Luchs die Ueberzeugung gewonnen, dass sie durcheinen Sturm nicht in seine Gewalt gerathen würde, bevor nicht

*) S. S. 368. 2 ) "Wahrscheinlich ist der Angriff in einem anderen Zu-sammenhänge erfolgt. Sassone erzählt (S. 270), dass, als in Folge desVordringens der Einundseohsziger westlich der Strasse eine Legiondn Jura sich allzu schnell auf Dijon zurückzog und die Mannschaftensich zum Theil in den Gräben niederlegten, Garibaldi sich, um siewieder vorwärts zu bringen, gezwungen gesehen hätte, sie von denOffizieren seines Stabes und der Husarenschwadron unter Capitaine Bayardvon hinten angreifen zu lassen. Beghelli (S. 365) berichtet über denVorfall ausführlicher : Garibaldi sah eine lange Kette Mobilisirter vor demfeindlichen Vorgehen von ihren Mauern zurückweichen; er schickte ihnenwiederholt Befehle, stehen zu bleiben vergebens. Der Rückzug drohtein Flucht auszuarten und zu dieser Stunde und an dieser Stelle dasGeschick des Tages zu gefährden.Garibaldi verlor die Geduld undbegann vor sich hinzumurmeln. Mir wurde erzälüt, dass er in diesemAugenblick die Flüchtigen verächtlich angesehen und ausgerufen habe:Das sind also die Franzosen, vor denen ich Mentana habe verlassenmüssen? Dann wandte er sich zu den Offizieren seiner Begleitungzurück, sah den Br. Adamo Ferraris (der als Ordonnanz-Offizier kom-mandirt war, A. d. V.) und sagte zu ihm:Ferraris, sagen Sie der Reiterei,sie solle Vorgehen und in diese Soldaten einreiten um jeden Preisselbst mit dem Säbel! Ferraris ritt im Galopp ab. Bald darauf ging dieReiterei vor. Sie griff die Flüchtigen an und zwang sie, wieder vorzu-gehen. Inmitten der Guiden und afrikanischen Jäger, welche die Mobili-sirten mit flachen Säbelhieben bearbeiteten, wurde Adamo Ferrarisgesehen zum letzten Mal! .... Biese Verwendung der Reitereihat so viel Aehnlichkeit mit der zu einem früheren Zeitpunkt (s. S. 348)erwähnten Aufmunterung der Mobilisirten bei Montmusard durch Bordone,dass wohl ihre Identität anzunehmen ist, wobei aber die Frage offenbleibt, wo und wann die Handlung stattgefunden hat. s ) Nach denübereinstimmenden Angaben der preussischen Berichte erhielt Oberst-Lieutenant Weyrach um oder bald nach 4 Uhr den Befehl zum Vorrücken.Die Entfernung von dem Knotenpunkt der Strassen nach Is sur Tille undTliil Chätel bis zum Südende der Balmanschüttung beträgt in der Luft-linie 1700 m und konnte im Marsch auf gebahnter Strasse, die auchmindestens auf ein Drittheil des Weges benutzt wurde, in 20 Minutenzurückgelegt werden; rechnet man auf Abweichungen von der Luftlinie5 Minuten, j e ebensoviel auf Zeitverlust durch Vorbereitungen zum An-treten und durch Entwickelung des Bataillons, so würde dasselbe 35 Mi-nuten zur Ueberschreitung dieses Raumes gebraucht haben. Diedurch schwierige Bodenbeschaffenheit, wie Weingärtenpfähle, durch-weichten Boden veranlasste theilweise Verzögerung wird erfahrungs-gemäss durch den Drang nach vorwärts bei einer Angriffsbewegungwieder ausgeglichen. Für das unaufhaltsam vorstürmende Bataillonist daher die Annahme, dass die Kompagnien seines ersten Treffensum 4 SS das Südende des Bahndammes überschritten, nicht zu knappbemessen. Von hier ab kann ihre Thätigkeit nur noch nach Minutenberechnet werden: die am weitesten vorgegangenen Theile der 7. Kom-pagnie werden noch 6 bis 700 Schritt zurückgelegt haben unddiese nur in möglichst beschleunigter Gangart. Demnach wird dieAnnahme zutreffend sein, dass die Kompagnien des H./61 um A.Schutz in der Lehmgrube suchten. Die französischen Zeitangaben zeigenvielfach eine frühere Stunde, gehen aber sehr auseinander: Michard