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Eine eigentliche Verfolgung der Preussen auf dem Schlacht-felde seitens der Vogesenarmee fand nicht statt. Garnier') scheintdies durch die aussergewohnliche Dunkelheit erklären zu wollen,Dank welcher die Landschaft bis zum Tagesanbruch nur noch durchKrankenträger, welche die Verwundeten aufzusuchen hatten, und inihrer Begleitung durch die bekannten Hyänen des Schlachtfeldesunsicher gemacht wurde, „denen diesmal ein weites Feld zur Be-friedigung ihrer begehrlichen Neigungen zu Gebote stand“. In derThat war der Einbruch der Nacht für die locker gefügten Truppen-der Vogesenarmee und der Mobilisirten ein stichhaltiger Grund, denPreussen nicht über das eigentliche Gefechtsfeld hinaus zu folgen:man musste, da man einmal die Stärke derselben an Zahl sehrüberschätzte, auf Rückschläge seitens frischer Rückhaltstruppengefasst sein, welche die errungenen Vortheile in Frage stellen odergar in das Gegentheil zu kehren geeignet waren. Nur einzelneStreifen wagten sich weiter vor. „Feindliche Patrouillen,“ erzähltHenning, 2 ) „zeigten sich bereits in unmittelbarer Nähe des Sammel-platzes der Brigade, und wenn sie auch keinen Schaden anrichteten,so belästigten sie doch immerhin die der Ruhe so sehr bedürftigenTruppen und wurden dadurch recht unbequem.“ Nach seiner Dar-stellung soll sogar die von Verwundeten und zum Befehlsempfangversammelten Offizieren angefüllte Ferme de Valmy (er nennt sieirrthümlich Ferme de Pouilly) einen Augenblick von Garibaldinernumzingelt gewesen sein und man soll aus der Ferne französischeAngriffsrufe gehört haben. Thatsächlich griff der Gegner nichtwieder an. Als sich General Kettler hierüber klar geworden war unddie Truppen sich gesammelt und geordnet hatten, trat er gegen 8 A.unter dem Schutze des die Nachhut bildenden F./61 den Abmarsch nachrückwärts gelegenen Unterkunftsorten an. 3 ) Von den Verwundeten,,welche, soweit es der Wirkungskreis der Truppen und die Dunkelheitgestattete, hatten zurückgebracht werden können, musste, um ihnendie erste Hilfe angedeihen zu lassen, eine Anzahl vorläufig in derFerme Valmy zurückgelassen werden, wo ein Verbandplatz unterden Stabsärzten Dr. Senftleben, Dr. Heinrich und Dr. Remy ein-gerichtet war.
Der Rückmarsch in die Dörfer, welcher theilweise querfeldeindurch die Weingärten ging, war wegen der völligen Dunkelheit unddes aufgeweichten Bodens um so beschwerlicher, als es noch dazu
J ) Ga. 270. — 2 ) H. 211. — 3 ) Die in "Weyrachs Bericht für den.Rückzug der Brigade angegebene Zeit „nach 9 Uhr“ dürfte sich auf diezuletzt abmarschirenden Truppen (F./61) beziehen.