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General-Major v. Kettler und alle ihm unterstellten Truppen mitrühmlichster Bravour alle ihre Kräfte daran gesetzt haben, dieihnen gestellte Aufgabe, gegen eine Uebermacht, die der Feindselbst auf 40 000 Mann angiebt, zu erfüllen, wofür im Besonderendie überaus starken Verluste sprechen . . .
General Manteuffels Urtheil von seinem Standpunkte als Armee-führer lautete in seinem Bericht vom 6. Februar an den Kaiserfolgendermassen: * 4 ) „Ich darf hierbei nicht unerwähnt lassen, dassdie wiederholten Vorstösse der Brigade Kettlerder Armee die wesentlichsten Dienste geleistethaben. Sie täuschten das garibaldische Korps über die eigent-liche Richtung der Operationen, fesselten es an Dijon und hieltenes von Unternehmungen gegen meine Flanke und Verbindungen ab,wozu es nach seiner jetzt konstatirten Stärke wohl befähigt war.Garibaldi, welcher als Retter von Frankreich gekommen war, hatdie ihm zunächst operirende Armee nicht zu retten vermochtund ist entflohen, als eine ihm nur annähernd gleiche Stärke gegenihn entfaltet wurde.“
Noch umfassender lautet das Urtheil des massgebendstenstrategischen Schiedsrichters, des General-Feldmarschalls Moltke,im Generalstabswerk 2 ): „General v. Kettler hatte mit 4000 MannInfanterie, 260 Pferden und 12 Geschützen das befestigte Dijondem vielfach überlegenen Gegner nicht zu entreissen vermocht.Aber seine nachdrücklichen Angriffe am 21. und 23. und dieKühnheit, mit welcher die kleine Abtheilung sich auch fernerhindicht vor der feindlichen Front behauptete, zwangen dem GeneralGaribaldi die Ansicht auf, dass ein bedeutender Theil der deutschenSüdarmee ihm gegenüberstehe und dass er sich auf eine vorsichtigeVertheidigung seiner Stellung beschränken müsse. Sie hatten denErfolg, dass ein ganzer französischer Heerestheil dort gebannt unddem General v. Manteuffel die Freiheit seiner Bewegung gegenStörung von jener Seite her gewahrt blieb.“
Einsichtige französische Schriftsteller, wie Chuquet 3 ), Lehaut-court, Coynart 4 ) sprechen sich in ähnlichem Sinne aus. Ganz andersfreilich waren die Schlussfolgerungen, welche unmittelbarnach den Kämpfen jener drei Tage als ihr Ergehn iss gezogenwurden, namentlich von Seiten des französischen Kriegs-Ministeriums.Nicht ganz vorurtheilsfrei, wie immer, wenn es sich um Garibaldihandelt, spricht sich Perrot in seinem Bericht seitens des parla-
0 Kr. A. A. III. 15. S. 861. — 2) G. St. V, 1212. — 3 ) Ch. 223. —
4 ) 0. 89.