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Unterstützung Garibaldis vorzunehmen, der voraussichtlich folgendenTags mit grossen Kräften angegriffen werden würde, und dass ernoch am 24. auf diese Forderung, dem — trotz GaribaldisHeldenmuth — möglichen Fall von Dijon vorzubeugen, zurück-kam, nachdem ihm Bourbaki vorwurfsvoll gemeldet, dass dasII. und VII. preussische Korps begonnen hätten, seine Ver-bindungen abzuschneiden, ohne dass man ihm darüber rechtzeitigNachricht hätte zukommen lassen. Dieser Gedankengang drehte dieVerhältnisse vollkommen in das Entgegengesetzte um : der Bedrohte(Bourbaki) sollte zum Better und der als Retter Auserkorene(Garibaldi) zum Hilfsbedürftigen werden! Einige Tage war Freycinetso von seiner Auffassung überzeugt, dass er trotz des SiegesGaribaldi noch immer für gefährdet hielt, wenngleich Kettler nichtsgegen ihn unternahm: die Thatsache seiner unmittelbaren Nähebei Dijon genügte.
Die hypnotische Beeinflussung Freycinets durch GaribaldisErfolge wird am besten bewiesen durch seine Depesche vom24. Januar 1012 V. an Gambetta, in welcher es u. a. heisst: 1 )„Garibaldi hat gestern wiederum einen sehr grossen Erfolg davon-getragen. Er ist entschieden unser erster General.“Er schliesst daran alles Ernstes den Vorschlag, sobald Bourbakimit dem 15., 18. und 20. Korps die Gegend zwischen Hericourtund Besanfon verlassen hätte, die Korps Cremer und Bressolleszu einer einzigen Armee unter Garibaldis Befehl zu vereinigen undin der Gesammtleitung aller Korps Bourbaki durch Letzteren zuersetzen; er, Freycinet, würde die Verantwortung dafür übernehmen,dass auf diese Weise die Vogesen wieder erobert werden würden.Eine Antwort Gambettas über diesen Vorschlag ist nicht bekanntgeworden. Die siegreiche Vertheidigung Garibaldis gegen angeblicheüberlegene feindliche Kräfte, die noch immer in drohender Nähevon ihm blieben, hatte jedenfalls den Erfolg, dass Freycinet einigeTage lang sich nicht getraute, die Vogesenarmee zu drängen, dieOffensive zu ergreifen, bzw. umfangreichere Bewegungen zur Er-leichterung Bourbakis vorzunehmen, der sich nunmehr im Kriegs-rath zu Chateau Farine zu dem Entschluss, die für sein Heerbedenklichste Rückzugslinie über Pontarlier einzuschlagen, genöthigtsah. —
Es wäre ungerecht, wenn man die Leistungsfähigkeit derVogesenarmee und der Mobilisirten Pellissiers nach dem Massstabevon ausgebildeten Linientrupgen messen wollte; von letzteren wäre
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