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«ine so starke Stellung, wie die von Pouilly, voraussichtlich mitanderem Erfolge vertheidigt worden. Aber dass die Mobilisirtenüberhaupt ernstliche Versuche machten, sich zu wehren und die-selben, trotzdem sie fehlgeschlagen, wiederholten und zum Theilsogar zum Angriff übergingen, ist bei ihrer losen Zusammensetzung,Gliederung, Mannszucht, bei ihrer ganz ungenügenden Ausbildung undbei theilweise sehr mangelhafter Bewaffnung immerhin anerkennens-werth. Sie lieferten den Beweis, dass sie, wie Freycinet verlangte,in der That hinter Mauern und Deckungen verwendbar waren. Jeden-falls gewährten sie den Vortheil der Masse iusofern, als sie den Gegnerunwillkürlich von allzu tollkühnen Versuchen zurückhielten. Diein der zweiten Hallte des Gefechts zur Thätigkeit gelangtenTruppen der eigentlichen Vogesenarmee schlugen sich mit derTapferkeit und mit einer gewissen Gewandtheit, wie am 21. Januar.Ihnen kam dabei die zum Theil vortreffliche Bewaffnung mitRepetirgewehren zu Statten, die sie nicht bloss in der Vertheidigung,sondern auch im Angriff vorteilhaft auszunutzen verstanden, indemsie sprungweise vorgehend in den Ruhepausen mit ihren 18 Schussdie Reihen des Gegners vollständig überschütteten und lähmten.Der schweizerische Oberst Secretan, kein Verehrer Garibaldis,stellt der Vogesenarmee folgendes Zeugniss aus: „Die Truppenbewiesen bei diesem Gefecht, dass es in ihren Reihen entschlosseneMänner gab, die unter Führung von tatkräftigen Offizieren fähigwaren, gut im Feuer Stand zu halten.“ Aber dem preussischenAngriff, ja selbst dem blossen Hurrahruf vermochten sie so wenig,wie die Mobilisirten, zu widerstehen. Der schweren französischenFestungs - Artillerie waren die preussischen Feld - Batterien nichtgewachsen; dagegen wurden die Feldgeschütze der Vogesenarmee,und namentlich die Gebirgsgeschütze, vielfach bald von ihremGegner ausser Thätigkeit gesetzt; BordoDe erklärte J ) sie nur imwirklichen Gebirgskriege oder höchstens in der Vorhut für ver-wendbar.
Die Führung zeigte sich auf französischer Seite im erstenGefechtsabschnitt als überhaupt nicht vorhanden. Die vor undin Pouilly kämpfenden, verschiedenen Legionen angehörenden Mobili-sirton-Bataillone entbehrten des einheitlichen Oberbefehls, mitwelchem vielleicht mehr hätte erreicht werden können. GeneralPellissier, ihr gemeinsamer Vorgesetzter, rührte sich, als ihm um2ü£ die Meldung zuging, dass sich die Mobilisirten in Unordnungschleunigst an der Strasse von Langres zurückzögen, nicht vom Flecke,
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