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die Veranlassung zu letzterem ausdrücklich hervorliebt, ver-pflichtet Michards Aussage ebenso wenig zu der Annahme, dassdieses Feuer dem Curtat persönlich gegolten haben müsse, was beides Entfernung von der Grube und bei der Dunkelheit an und fürsich unwahrscheinlich ist. Das Feuer aus der Fabrik nach deiGrube hat jedenfalls ohne grosse Unterbrechungen bis zum Rückzugdes II./61 fortgedauert; umgekehrt aus der Lehmgrube wird dasFeuer nur so lange ununterbrochen angehalten haben, bis man nachEntdeckung des Fahnenverlustes Abtheilungen zum Aufsuchen vor-schickte; nach deren Rückkehr ist möglicher Weise das Feuer zuwiederholten Malen aufgenommen worden; es ist daher nicht inAbrede zu stellen, dass, als Curtat die Fahne aufraffte, gerade vonpreussischer Seite gegen die Fabrik gefeuert wurde, jedenfalls abernicht in der Absicht, ihn daran zu hindern, weil man überhauptnicht wusste, dass die Fahne liegen geblieben war. Nach denAussagen aller nach der Lehmgrube zurückgekehrten Mannschaftenhatte aber Niemand etwas von der Handlung der Erbeutung derFahne bemerkt.
In derselben Absicht wie Curtat war etwa gleichzeitig, aberdurch das an der Strasse von Langres befindliche Gitterthor, denHaupteingang zum Fabriksgrundstück, Capitaine Rostaing von denFrancs-tireurs de l’Isere, begleitet von Joseph Perret, einem,inzwischen verstorbenen Franktireur seiner Kompagnie, heraus-getreten, hatte die Fabrik umgangen und nach seiner Erzählung *)sich „fast bei Nacht einer dunkelen Masse kriechend genähertund mit der Hand zwischen den Leichen nach der Fahne gesucht,als er plötzlich preussische Soldaten aus der Bodenmulde vor sich(der Lehmgrube. A. d. V.), feindliche Schützen, wie Schatten habeVorkommen sehen. Er habe Feuer gegeben und in diesem Augen-blicke gesehen, wie Curtat, den er nicht kannte, sich der Fahnebemächtigte.“ An einer anderen Stelle schrieb Rostaing: „Perret,welcher sich durch die Nachbarschaft des Feindes nicht irre machenliess, sagte zu mir: „Dort ist sie.“ Im selben Augenblicke riefmein Freiwilliger: „Wer da?“ Einige Schritte von uns standCartat, Franktireur von Haute-Savoie, den ich in dieser dunkelnNacht nicht als Soldaten der Brigade erkannte.“
Zieht man nun das Ergebniss aus diesen Zeugnissen, so stehtfest, dass die Fahne noch während des Feuerns und vor Beendigungdes Gefechts in die Hände der Garibaldiner gelangt ist, andererseitsaber auch, dass sie nicht mit Waffengewalt als Kampfobjekt dem
i) Bei LdE. Dr.