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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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hat.Diese mit Genehmigung des Kaisers dem Regiment mit-geth eilte Meinungsäusserung des Allerhöchsten Kriegsherrn löstedie beklemmende Spannung, welche den Truppentheil bis dahinbeschwert hatte.

Am 18. September 1871 wurde zu Beifort durch den Festungs-Kommandanten, Generalmajor Kritter, dem II. Bataillon in feier-licher Weise die durch des Kaisers Gnade ihm verliehene neueFahne unter Verlesung der nachstehenden Kabinets-Ordre vom9. August übergeben:Aus den mir vorgelegten Berichten habeIch mit Genugthuung ersehen, dass das II. Bataillon des 8. Pommer-schen Infanterie-Regiments No. 61 am 23. Januar d. J., an welchemTage dasselbe vor Dijon seine Fahne verlor, mit heldenmüthigerTapferkeit gefockten hat und dass der Verlust der Fahne eins jenerbeklagenswerthen Ereignisse gewesen ist, die als das Resultatwidriger Umstände Niemand zum besonderen Vorwurf gereichen.Die Fahne ist weder durch einen siegreichen Feind erobert, nochdurch eine entmuthigte Truppe aufgegeben worden; ihre Stätteunter den Leichen ihrer tapferen Vertheidiger ist auf dem Schlacht-felde noch ein ehrendes Zeugniss gewesen für die Truppe, welchersie vorangeweht hatte, bis die einbrechende Nacht sie den liüten-

.,Weder meine anderen Offiziere noch ich verloren die Fahneeinen Augenblick aus dem Gesicht bis zu dem Zeitpunkt, wo sie unterden Leibern ihrer tapferen Vertheidiger verschwand ; aber wir merktenuns sorgfältig den Ort, wo sie lag, und, wenn man nicht sofort hinlief,um sie aufzunehmen, so kam das einfach von den sehr strengen Be-fehlen her, welche ich Michard, dem Zweitältesten, und meinen anderenOffizieren gegeben hatte, dass Niemand einen Schritt aus der FabrikBargy thun sollte, und zwar deshalb, weil ich in Gegenwart einer sobeträchtlichen Anzahl von Feinden Gefahr laufen konnte, meinen sowie so schwachen Bestand sich noch mehr verringern zu sehen.

,,Kurz und gut, wenn das Abwehren des furchtbaren Angriffs unddie Verhinderung der Einnahme von Dijon nicht allein, sondern auchdas Verhüten der gänzlichen Niederlage denn eine solche hatteschon durch den panischen Schrecken, welcher sich der Mobilgarden (?)und der Bevölkerung bemächtigte, begonnen der einzigen Armee,welche in Frankreich unberührt blieb : wenn dies Alles nicht sagenwill, dass die Fahne ehrenvoll mit den Waffen in der Hand erobertwurde, so könnte man glauben, dass militärische Tapferkeit nur eineerlogene Sache wäre.

Heutzutage suchen Feinde und Freunde den Ruhm dieser Hand-voll Menschen, deren einziges Verbrechen es ist, dass sie von. einemGeneral Namens Garibaldi geführt worden waren, an sich zu reissen.

Aber das ist Alles vergeblich; die Geschichte wird diese Waffen-that immer mit goldenen Buchstaben zu Gunsten der Franktireurs der4. Brigade, welche sich durch ihre Tapferkeit die Achtung und Be-wunderung ihrer Feinde zu erringen wussten, verzeichnen.

Ich verbleibe lebenslänglich Ihr Ilicciotti Garibaldi.i) Kr. A. K. II. 8. S. 353.