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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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gleich anfangs auf der von Westen ins Dorf führenden Strasse ein-zudringen versuchte, der verwundete Portepee-Fähnrich Mersmannmit Mannschaften der 7. Kompagnie entgegengeworfen, war ihnenauf dem Fusse gefolgt und in Besitz der westlichen Dorfumfassungund einer ausserhalb vorliegenden Kuppe gelaugt. Mit seinem Feuerversuchte er den Umgehungsbewegungen des Gegners entgegeu-zutreten und hatte den Erfolg, dass er letzteren zum Stutzen undzur Erwiderung des Feuers brachte, während einem Bajonnet-angriff an dieser Stelle kaum Widerstand hätte geleistet werdenkönnen.') Als nun zur Sicherung seiner westlichen SeiteLieutenant Gladisch den Unteroffizier v. Kayserlingk mit etwa30 Mann der 5. Kompagnie durch die westliche Feldwegstrassenach der vorliegenden Höhe entsandte, traf dieser alsbald auf denbereits dort befindlichen Fähnrich Mersmann und trat im Anschlussan diesen sofort in ein sehr lebhaftes Feuergefecht mit der Guerillamarseillaise. Da Lobbia glaubte, die Preussen beabsichtigten hierdurchzubrechen, um die Strasse über Esnoms zu gewinnen, so liesser gegen letztere, um dies zu hindern, seine Guiden, auf dem Wegeüber Chatoillenot Vorgehen. i) 2 )

Zwei Züge der 5. Kompagnie hatte Hauptmann Kriess gegen-über der Kirche zu seiner eigenen Verfügung behalten; mit 2 Zügender 8. Kompagnie deckte er durch Besetzung des nach Langresführenden und zur Vertheidigung eingerichteten Nordausgangs seinenRücken. So hatten sich die Verhältnisse, sobald nach der erstenUeberraschung Ueberlegung und Ruhe zurückgekehrt war, all-mählich gestaltet. Zur Deckung der östlichen Flanke und zurUmgehung der in den dortigen Gebäuden steckenden Franktireursentsandte Hauptmann Kriess mit einem Zuge der 7. Kom-

i) H. 223 2 ) Cav. 350. Beghelli (S. 429) möchte dieser Bewegung,der einzigen von Italienern, seinen Landsleuten, in diesem Gefechte ausge-führten, gern einen entscheidenden Einfluss auf den vortheilhaften Ausgangdes Gefechts zuschreiben. Nach ihm hätte Lobbia, weil er seine an dendichten Kugelregen nicht gewöhnten Truppen nicht mehr vorwärts zubringen vermochte, sondern Miene zum Zurückweichen machen sah, demCapitaine Farlatti befohlen, mit den Guiden anzugreifen und bis ans IJorfheranzugehen. Vorzüglich geführt wäre die kleine Reiterschaar gegenden Westausgang vorgesprengt, in die Hauptquerstrasse eingedrungen,durch sie unter dichtem Kugelregen in schärfster Gangart von einemEnde zum andern hindurchgestürmt und hätte auf der Strasse einen zu-sammengedrängten Haufen Preussen mit der blanken Waffe ohne Gnadeniedergemacht. Hierauf hätten die Gulden vor dem Dorfe Stellung ge-nommen, um die eigene Infanterie zu erwarten. Da diese sich aber zubeiden Seiten des Orts entlang gezogen, hätte die Lage der Italiener an-

f efangen, kritisch zu werden, wenn nicht die preussisclien Führer, iner Annahme, Farlatti wollte sie umgehen und ihnen den Rückzug ab-schneiden, den Kopf verloren hätten und schleunigst abgezogen wären.