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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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145 000 Mann marschbereit sein. Wie weit diese in ihrer Orga-nisation und Ausbildung vorgeschritten waren, dies zu beurtheilenlag nicht im Bereich eines Adjutanten beim Ober-Kommando derOstarmee; hierin musste er sich auf das Wort des Ministers ver-lassen. Ueberdies war, ein Heer von 100 000 Mobilisirten zustellen, weder versprochen noch verlangt. Die Legionen der Mobili-sirten waren auch von den Südprovinzen, dem Gesetze entsprechend,längst aufgestellt, befanden sich aber zum Theil noch in denUebungslägern, theils wurden sie aus innerpolitischen Gründen vonden radikalen Städten bisher noch nicht fortgelassen. Wurden dieLegionen einzeln nach den wichtigsten Punkten der Verbindungs-linie befördert, so war diese zunächst nicht eutblösst und zuBrigaden und Divisionen liessen sie sich demnächst leicht Zu-sammenlegen.

Wenn Colonel Poullet die nachträgliche Erfindungjenes Versprechens dadurch glaubhaft machen will, dass er sagt,in keiner der zahlreichen Depeschen wäre ein Wort davon erwähntund Bourbaki hätte niemals auf die Erfüllung gedrungen, so lagfür den ersten Theil dieser Behauptung gar kein Anlass vor, da inder mündlichen Besprechung zu Baugy darüber alles abgemachtwar; in dem zweiten aber ist nur ein schwerer Fehler des Ober-generals zu erblicken, insofern als er in übertriebener Vertrauens-seligkeit auf das ihm gegebene Versprechen und auch vielleichtauf sein ihm bisher holdes Kriegsglück die so wichtige Frage nichteher wieder zur Sprache gebracht hatte, als bis es zu spät war.

Oberst Secretan ! ) glaubt eine Erklärung darin zu finden,dass er annimmt, es müsse über diese Kapitalfrage ein Miss-verständniss obgewaltet haben. Im Geiste des Generals sei ausder Unterredung der Eindruck haften geblieben, dass unter allenUmständen die Deckung der Saöne-Uebergänge ihn nichts anginge unddass das Ministerium darüber direkt und aus eigener Initiativewachen würde. Freycinet hätte aber weder in seinem bekanntenWerke noch in seiner parlamentarischen Aussage, ebensowenig wiede Serres, von seinem Versprechen, die 100000 Mann aufzustellen,etwas erwähnt. Unserer Ansicht nach ist gerade das Schweigenihrerseits ein Beweis für ihre Schuld. Denn es ist undenkbar, dassein alter, erfahrener und geschulter General wie Bourbaki währendseines ganzen Vormarsches so geringe Sorge für seine Seite ge~äussert haben sollte, wenn er nicht ganz sicher davon überzeugtgewesen wäre, dass für deren Sicherheit Vorkehrungen getroffen

>) Se. 123.