Buch 
Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
Entstehung
Seite
575
JPEG-Download
 

575

der verabredeten Massregeln sieb mit dem Kriegs - Ministerium inEinvernehmen zu setzen und auf jenes Versprechen eindringlichzurückzukommen, auf welches er bei Feststellung des Feldzugsplaneseinen starken Nachdruck gelegt hatte: das Erforderniss der Sicherungseiner linken Seite durch besondere Truppen, welche nichtseinem Befehlsbereich angehörten. Die hierzu von Freycinet aus-ersehenen, in Dijon zusammengezogenen Streitkräfte erreichten, wieim Voraus bemerkt sei, niemals die versprochene Höhe von lOOOOOMann, sondern konnten bis Ende Januar nur auf etwa 50 000 Mann(Pellissiers Mobilisirte, einschliesslich der Vogesenarmee)gebracht werden.

Colonel Poullet sucht in einer gegen den parlamentarischenBericht Perrots gerichteten Schrift zur Entlastung Freycinets undbehufs Belastung des ersten Adjutanten und der rechten HandBourbakis, Colonels Leperche, nachzuweisen, dass jene Zusage der100000 Mobilisirten entweder niemals gegeben, sondern erstnach dem Feldzug durch jenen Offizier seinem Vorgesetztensuggerirt worden sei, oder dass, wenn wirklich Freycinet leicht-sinniger Weise in allgemeinen Ausdrücken (en termes vagues)sich in diesem Sinne Bourbaki gegenüber geäussert haben sollte,dies nicht ernst zu nehmen sei.Das sind Dinge, die sich so hin-eagen, aber zu Nichts verpflichten. Ein solches Versprechen wäreseitens des Ministers der Gipfel der Ungereimtheit (comble delabsurde) und nicht weniger ungereimt wäre es von Leperche ge-wesen, ihm Glauben zu schenken; er hätte höchstens über die Zu-muthung mitleidig lächeln können, ihn zu dem Glauben verleitenzu wollen, dass 100000 Mann sich mit einem Augenzwinkern zueinem Heere formiren Hessen. Ein verständiger, denkender Generalwürde niemals auf so ungewisse Hoffnungen einen Plan begründen

Ganz abgesehen von der Frage, ob Colonel Poullet mit solchenAuslegungen dem Ansehen Freycinets dient, hat er zunächst über-sehen, dass der Feldzugsplan durch Vermittelung des Herrnde Serres vom Kriegs - Ministerium Bourbaki auferlegt wordenwar und dass der General sich unter der ausdrücklichen Bedingung,dass seine Verbindungen durch andere Truppen gesichert würden,damit einverstanden erklärt hatte. Warum sollte Colonel Leperchenicht an der Ausführbarkeit des Versprechens glauben? Hattedoch Gambetta wiederholt bewiesen, dass er es verstand, Armeenaus der Erde zu stampfen! Nach der erwähnten kriegsministeriellenMeldung an ihn sollten in der That bis zum 15. Januar

b ImSpectateur militaire 187G, Bd. 45, S. 230.