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in seiner Unersättlichkeit auch noch Garibaldi gegen Beifort selbstverwenden. Einen derartigen Missbrauch hätte er aber durch ein-schränkende Befehle verhindern können.
Da nach Freycinets Auffassung die Herstellung der Einheit desKommandos auf dem östlichen Kriegsschauplätze unthunlich,das Zusammenwirken Garibaldis mit Bourbaki aber unumgänglichnothwendig war, so erfand er, um des Italieners Empfindlichkeitzu schonen, den Ausweg der „Kooperation.“ „Die Armee desGenerals Garibaldi“, so schlug er Gambetta vor, 1 ) „wird ihre Unab-hängigkeit behalten, aber der General wird ersucht werden, dieGüte zu haben, die Vorschläge des Generals Bourbaki hinsichtlicheiner „Kooperation“ der Armee des Generals Garibaldi mit derUnternehmung der Armee des Generals Bourbaki an nehmen zuwollen.“ Herr de Serres traf am 23. Dezember in Autun ein.Seine Besprechungen über die Art des Zusammenwirkens mit Gari-baldi und Bordone verliefen zur allseitigen Befriedigung, so dassde Serres Freycinet über das herbeigeführte Einvernehmen mit vollerZuversicht beruhigen zu können glaubte.
Liess sich unter den vorliegenden Umständen ein solches Aus-kunftsmittel nicht umgehen, so musste der Kriegs-Minister um soschärfer für das Funktioniren des schwierigen Mechanismus sorgenund derartige Direktiven ertheilen, dass Zweifel über die Obliegen-heiten der beiden Theile ausgeschlossen waren; es musste einesorgfältige Ueberwacliung der Ausführung eintreten und ein be-stimmtes, thatkräftiges Eingreifen erfolgen, sobald Missverständnisseoder Fehler erkennbar wurden. Aber das Kriegs - Ministeriumvermied es, nach de Serres’ Aussage, ä ) dem italienischen Generalgegenüber die „imperative“ Form anzuwenden; man beschränktesich darauf, „ihm anzudeuten, was geschehen könnte, ohne ihmjemals ausdrückliche (absolus) Ausführungsbefehle zu geben.“ Wennder Kriegs-MMster von Hause aus die nöthige Festigkeit im Bestehenauf der Durchführung seiner Anordnungen gezeigt hätte, so würdeunzweifelhaft, wie er im ganzen Lande Gehorsam fand, auch Gari-baldi sich seinen Verpflichtungen nicht entzogen haben. In demAugenblicke, wo Bourbaki Cremer an sich zog, musste der Kriegs-Minister mit Befehlen eingreifen, um die Sicherheit der bedrohtenFlanke zu gewährleisten. Dem Umstande, dass dies nicht geschah,muss die Hauptschuld an dem Untergang der Ostarmee zugeschriebenwerden. Die Unterlassungssünde lässt sich aber nur dadurch erklären,dass sich Freycinet die Folgen, welche die Unthätigkeit Garibaldis
b Per. II. 519 No. 502. — 2 ) Ebd, 155.
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