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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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Franktireurkorps zutreffen. Die Mobilgarden hatten sich in denGefechten des Novembers wenig zuversichtlich gezeigt und wurdendeshalb in den Januarkämpfen meistens im Rückhalt verwendet :das in der Vorhut am 21. kämpfende Regiment Aveyron hatte bis-her der erforderlichen Festigkeit ermangelt, nur das Bataillon BassesPyre'nees schien den Anforderungen entsprochen zu haben. Unterder Artillerie befanden sich 4 wenig leistungsfähige Gebirgs-Batterien und lür die Bedienung der vorhandenen und noch zuerwartenden Festungs-Batterien war nur eine Kompagnie mobilisirterArtilleristen Maine-et-Loire verfügbar.

Ueber die Gebrauchsfähigkeit der mobilisirten Nationalgardenhaben wir uns wiederholt ausgesprochen. Mangelhaft bewaffnet,unter minderwerthigen Vorgesetzten, kaum ausgebildet, ohne Selbst-vertrauen ergriffen bei Dijon die vieux gargons wiederholt in ganzenBataillonen die Flucht, wenngleich sie meist in zweiter Liniestanden. 1 ) Immerhin waren sie hinter Deckungen zum reinen Ver-theidigungskampf für eine beschränkte Zeit brauchbar, im freienFelde aber nur vereinzelt als Rückhaltstruppe verwendbar.

Mit so zusammengesetzten Truppen konnte sich Garibaldifreilich auf eine Schlacht im freien Felde nicht einlassen. Daraufkam es auch nicht an. Wohl aber war die Vogesenarmee für denGebirgskrieg durchaus geeignet. Wenn Garibaldi in der MitteJanuars, sobald er vom Beginn des Vormarsches der Südarmeein Kenntniss gesetzt war, die Verteidigung des damals nochgar nicht bedrohten Dijon Pellissier mit seinen 20000 Mann über-trug und ihm einige seiner Feldbatterien zur Bestückung derSchanzen auf Talant und Fontaine, die zunächst in Frage kamen,vorläufig unterstellte, so konnte er, unbesorgt um die Stadt mit etwa18 000 Mann felddienstfähiger Truppen der Vogesenarmee gegendie Flanke Manteuffels auf verschiedenen Strassen brigadeweise vor-stossen und ihm ernstliche Verlegenheiten bereiten. Die Freiwilligenund die Gebirgsgeschütze waren in dem Berglande in ihremElement, die Mobilgarden bildeten ihren Rückhalt. Der Rückzugauf das nahe Dijon stand bei überlegener Entwickelung feindlicherKräfte alle Zeit offen. Garibaldi sicherte im Vorgelände die Stadtbesser, als wenn er in ihr selbst stand. Colonel Reynaud verlangtein seinem Brief an den General Billot vom 1. Mai 1871 2 ) sehrrichtig, dass Garibaldi zwischen dem 14. und 16. Januar denKolonnenspitzen Manteuffels sich hätte entgegenwerfen müssen.Wenn er aber darauf, nach Reynauds Ansicht, 8 ) seinen Rückzug

i) .Mari. 121. 2 ) Per. II. S97. 3 ) Ebd. 394.