591
nehmen, um die Kolonne Delitz zu erwarten; auch zum Zusammen-wirken gegen diese konnte Ricciotti mit herangezogen werden.
Ob der vorstehend von uns gewiesene Weg der beste gewesenwäre, ist gleichgiltig. Es lag uns nur daran, die Möglichkeit undAusführbarkeit wirksamer Yorstösse Garibaldis zu zeigen. In wieweit er bei diesen siegreich gewesen wäre, darauf kam es gar nichtan. Es sollte nur Zeit gewonnen werden. Treffend bemerkt They-ras ’): „Man verlangte von Garibaldi gar nicht, dass er Manteuffelschlagen sollte, sondern nur, dass er sich drei Tage lang von ihmschlagen Hesse. Wenn er ihn nur drei Tage in den Eng wegen desLandes um Cliiitillou aufhielt, so hatte Garibaldi die Ostarmeegerettet.“ —
Wenn Garibaldi weder bisher etwas gethan hatte noch zu thunbeabsichtigte, um durch offensives Vorgehen den Marsch derSüdarmee zu verzögern, so hätte er dies wenigstens in defen-siver Weise thun köunen und müssen, indem er BombonelsHilferuf am Abend des 16. Januars hörte und am nächsten Tageseine 1. und 3. Brigade mit der Eisenbahn nach Gray schickte.Diese Stadt wurde erst am 19. vom II. Korps ohne Schwertstreichbesetzt, wodurch nicht bloss der Saöneübergang, sondern die fürdie Verpflegung und Nachschübe wichtige direkte Eisenbahnverbin-dung über Auxonne und Dijon für die Ostarmee verloren ging.Unter Zerstörung der noch vorhandenen beiden Brücken bei Grayund jener östlich Dampierre konnten durch Festhalten der Höhendes linken Saöneufers bei Gray und Dampierre die Brigaden derYogesenarmee dem Gegner die Uebergänge Tage lang streitigmachen. Wir haben oben 2 ) gesehen, unter wie nichtigen Vor-wänden sich Bordone Bombonels Ansinnen entzog und Freycinetgegenüber seine Verpflichtung, Gray zu vertheidigen, durch dieVorspiegelung, Dijon selbst sei ernstlich bedroht, von sich ab-zuwälzen suchte. Die schnelle Besetzung von Gray war fürManteuffel von hervorragender Wichtigkeit, weil über diese Stadtder kürzeste Weg gegen die Verbindungen der Ostarmee mitdem Süden und gegen die Schweizer Grenze führte. Auch hier ver-dient Garibaldi einen schweren Vorwurf: Dijon war vorläufig keines-wegs bedroht, was er sich bei Verfolgung der ihm im Ganzen richtigübermittelten Marschlinien der Deutschen auf der Karte allein klarmachen konnte. Liess er neben Pellissier noch die BrigadeRicciotti und einige Batterien in der Stadt zurück, so war siegegen einen Handstreich sicher, um so mehr, als am 18. Januar
') TR. 533. — 2 ) S. S, 140.