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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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mit der Bahn 2 Batterien schwere Zwölfpfünder eintrafen. Allerdingsfielen die nach Gray entsandten Brigaden für eine künftige Ver-theidigung von Dijon aus, und es ist zweifelhaft, ob ohne sie dieStadt dem Angriff Kettlers länger als einen Tag widerstandenhätte. Aber Garibaldi konnte am 16. nicht wissen, dass er am21. oder ob er überhaupt jemals angegriffen werden würde. Durchdas fortgesetzte Warten auf einen Angriff begab er sich allerInitiative und jedes Eingreifens in den Gang der Operationen; erverfiel in völlige Unthätigkeit. Sein erfolgreicher Widerstandgegen Kettler rettete zwar auf acht Tage der Republik die StadtDijon, ohne aber irgend welchen Einfluss auf die Geschicke derOstarmee zu haben. Garibaldi erfüllte nur den ersten Theil derihm gestellten Aufgabe, das Festhalten der Stadt, welches eigentlichfür die Yogesenarmee nur in zweiter Linie stehen sollte: denHaupttheil seines Auftrages, das Festhalten der gegen BourbakisVerbindungen vormarschirenden Südarmee, verlor er gänzlich ausden Augen; er hätte ihn durch Vertheidigung der Saönelinie nochausführen können. Gelang es ihm, dem Gegner drei Tage langden Uebergang zu verwehren, so war dies für den Verlauf desGanzen von sehr hoher Bedeutung, selbst wenn Dijon gleich am 21.in Kettlers Hände gefallen wäre. Denn dieser hätte nicht sofortauf dem kürzesten Wege über St. Jean de Losne auf Döle gegenBourbakis Verbindungen Vorgehen können, sondern musste in Dijonzur Deckung von Manteuffels Verbindungen und zur Beobachtungdes auf Nuils-Beaune zurückgewichenen Korps Pellissier stehenbleiben. Es ist hier nicht der Ort nachzuweisen, in welcherWeise Bourbaki die gewonnenen drei Tage zur Rettung seinerArmee ausnützen konnte. Der strategische Werth von Dijon standin keinem Verhältniss zu demjenigen der Saönelinie für die Ost-armee. Als Freycinet in den späteren Tagen Garibaldi wiederholtdrängte, Bourbaki beizuspringen, verlangte er in Betreff Dijons nurSicherung gegen einen Handstreich, d. h. er hielt denBesitz der Stadt für wünschenswerth, schon wegen der Stimmung derBevölkerung, ihren Verlust aber für kein folgenschweres Unglück.Je mehr sich durch die eingehenden Nachrichten die Marsch-richtung der Deutschen für die Franzosen klärte, um so unbegreiflichererschien der Einwohnerschaft die unthätige Ruhe Garibaldis, mitder er des Feindes Bewegungen sich vollziehen liess; das Erscheinenpreussischer Dragoner im Weichbild der Stadt am 17. erregte einensolchen panischen Schrecken, dass die Presse sich veranlasst sah, inziemlich ironischen Bemerkungen der Sache näher zu treten. Im Inter-