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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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geschlungen haben würden? Dadurch ist klar bewiesen, dassBordone die Vogesenarmee nicht für befähigt hielt, Manteuffels Vorbei-marsch zu stören, vielmehr glaubte, dass schon der Versuch zuihrem Verderben führen würde. Man muss hier die Gegenfragestellen: Bildete Bordone sich ein, dass für Frankreich der Besitzvon Dijon mehr Werth hatte, als das unthätige Stehenbleiben von40000 Mann zur Vertheidiguug dieser Stadt und das Opfern seinerüber 120000 Mann starken Ostarmee?

Es ist schwer zu entscheiden, ob bei der Handlungsweise derVogesenarmee Eigensinn, militärische Unfähigkeit in der Beurtheilungder Lage oder Angst vor der Verantwortung, mit ungeeignetenKräften eine That mit unberechenbarem Ausgange auszuführen,als Leitstern gedient haben vielleicht von Allem etwas!

Wenn man über die nächsten Tage gerecht urtheilen will, sokann man die wiederholt geäusserte Annahme Bordones, vom 21.bis 23. Januar überlegene Kräfte sich gegenüber gehabt zu haben,nicht ohne Weiteres ausschliessen. Es schien unmöglich, dass diefortgesetzten, mit grosser Tapferkeit durchgeführten Angriffe Kettlers,erst gegen die starke und wohl besetzte Westfront, dann gegen dieNordfront, nur von einer einzigen kleinen Truppe unternommenworden sein sollten ; die gleichzeitigen Nachrichten von Bewegungenstarker Truppenkolonnen auf der Strasse Is sur Tille-Thil Chätelkonnten wohl zu dem Glauben führen, dass beim Angriffe des 23.frische Kräfte mitwirkten. Man wusste, dass auch Mirebeau vonDeutschen besetzt wäre; über ihre Zahl war nichts Näheres bekannt.Da die Nachrichten über die Stärke des Gegners meist übertriebenzu werden pflegen, so ist es wohl denkbar, dass Bordone eine Zeit-lang glaubte, er habe mit sehr starken Kräften, vielleicht mit derSüdarmee selbst, zu thun gehabt. Dies wäre schon ein Grund ge-wesen, am 24. nicht unvorsichtig aus Dijon hervorzubrechen undin dem waldreichen Gelände möglicherweise in eine Falle zu gehen.Kettlers unthätiges Verhalten in den nächsten Tagen mussteaber das Hirngespinnst seiner Ueberlegenheit an Zahl zergehenlassen. Wenn Garibaldi jetzt trotz besserer Aufklärung hierüberdennoch zögerte, für die Rettung der Ostarmee mit ganzer Kraft ein-zutreten, so ist die Erklärung dafür vielleicht nicht zum kleinsten Theilin den grossen, namentlich an Offizieren unverhältnissmässigen Ver-lusten zu suchen, welche seine Kerntruppen, die italienischen Legionen,betroffen hatten, und in dem niederdrückenden Einfluss, welchen sie aufdie übrigen Theile des Heeres zurückgelassen hatten. An und für sichschon dessen Leistungsfähigkeit misstrauend mag Garibaldi sie jetzt