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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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nicht angängig war, es vom Kriegs-Ministerium mit allem Nachdruckden ihm gegebenen Versprechungen gemäss, verlangen. Aber nochhielt er die Lage für nicht so bedenklich, dass ihm eine Ablenkungdurch das 25. Korps erforderlich erschienen wäre. 1 ) In der Thatwar sie auch am 18. noch nicht kritisch; wenn er zu der Er-kenntniss gelangt wäre, dass für ihn Alles darauf ankam, seine inden Bergen mit zahlreicher Bagage in ausnahmsweise strengerJahreszeit eingequetschte Armee schleunigst aus den Engpässen zuretten, bevor sie der Gegner zu sperren vermochte, und wenn ermit klarem Entschluss den angetretenen Rückzug thatkräftig fort-gesetzt hätte, würde er Champagnole jedenfalls früher haben erreichenkönnen, als die Deutschen. Aber Bourbaki machte sich denGedanken gar nicht klar, dass bei längerem Zögern er unfehlbarzwischen Manteuffels und Werders Korps gerathen musste; erfasste gar keinen einheitlichen Plan für die Ausführung seinesRückzugs. Seine Armee war am 22. bei Besangon versammelt;am 24. konnte ein Theil in Salins sein, welches erst am 26. vonden Deutschen besetzt wurde. Bourbaki wäre gerettet gewesen.In unsicherem, unentschlossenem Umhertasten jedoch verlor er Tagum Tag. Möglicherweise hat das Standhalten Garibaldis in Dijonzur Unterschätzung der Gefahr seinerseits beigetragen; er glaubtevielleicht Manteuffels Hauptkräfte doch noch vor dieser Stadt ge-fesselt. Hätte Letzterer Dijon genommen, so wäre Bourbakiin Klaren gewesen; dadurch dass er an der Stadt vorbei-marschirte, hatte er ihn über seine Absichten vielleichtin Zweifel gelassen. Berechtigt war aber ein solcher nachFreycinets Depesche vom 21. 1122 A. ä ) nicht mehr, worin dieAbsicht des Gegners, die Eisenbahnverbindung Bourbakis mitDijon und Lyon abzuschneiden, aus seinem Marsch von Dole überAre et Senans klar hergeleitet und aus dem Misserfolg bei Dijonseine numerische Schwäche daselbst gefolgert wurde. Freycinetrieth dringend zur möglichsten Beschleunigung des Marsches denDoubs abwärts.

Wenn er am 23. während des Angriffs Kettlers auf DijonBourbaki aufforderte, der Stadt durch eine Bewegung zur Hilfe zukommen, um die Verwegenheit des Feindes, zwischen ihm undGaribaldi zu operiren, zu strafen, so war dies ein vollständigesVerkennen der Verhältnisse:Es war die reine umgekehrte Welt.Garibaldi hätte rechtzeitig Bourbaki decken müssen; nun verlangteman von Bourbaki, Garibaldi zu helfen, nachdem das Unglück schon

i) Per. II. 702 No. 739. 2 J Ebd. 721 No. 7288.