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Da die lateinische Sprache in der Literarschule das Hauptpensum ist, und alle Aufmunterungoder Strafe, durch Testimonien, Rangveränderungcn, Promotionen u. s. w. nach diesem Fachebestimmt wird, so sind allmälig die Schüler und das Publicum zu der Ueberzeugung gelangt,die Erlernung des Lateinischen sei die unentbehrliche, gber auch die einzig nothwendige Grund-lage jeder bessern Erziehung. — Hiedurch geht in der ganzen Anstalt, bei den Schülern undEltern, eine Mißachtung aller sogenannten Nebenfächer hervor, die allerdings zur Folge hat,daß nur die ganz unfähigen und trägen Schüler dem Latein entsagen und sich Realfächern widmen.Darf man sich dann wundern, wenn es mit unserm Gewerbstande, der aus solchen Individuenrecrutirt wird, nicht vorwärts will, und.das Gewerbwesen überhaupt in der öffentlichen Mei-nung immer tiefer sinkt? — ^
Gesetzt aber auch/ man würde, was wir nicht glauben, dieser Mißachtung der Realschülerneben den Literarschülern vorbeugen können, so sehen wir eine zweite, sehr wichtige Schwierig-keit bei dieser Vereinigung beider Schülerclasscn in derselben Lehrstunde darin, daß dieselben sichselten oder niemals auf der nämlichen Stufe von Kenntniß befinden werden, wie ein gemeinschaft-licher Unterricht es doch voraussetzen muß. Was dem Realschüler Hauptfach ist, betrachtet derLiterarschüler nur als Nebenfach/ jener wird nicht nur die Lehrstundcn — deren er in den meistendieser Fächer außerdem eine größere Anzahl bedarf — sondern auch allen häuslichen Fleiß aüfPensen verwenden, denen dieser nur eine flüchtige Aufmerksamkeit, und nur den geringsten, wennje einen Theil seines häuslichen Fleißes zu widmen gewohnt ist. Der Realschüler, vorausgesetzt,daß sein Unterricht gut und mit Ernst geleitet werde, wird demnach in kurzer Zeit alle feine lite-rarischen Mitschüler überfliegen, und dann stille stehn müßen; denn daß er in eine höhere Classesteige, wird nicht angehen, da die nächst obere ein ganzes Jahr vor der seinigen voraus ist, eraber nicht weiter als der Curs seiner Classe vorgerückt seyn kann. Daher Abspannung in derhäuslichen Thätigkeit und Gewöhnung an Müßiggang . Der Realschüler wird glauben, genuggethan zu haben, wenn er in seiner Classe unter den Beßten erscheint, und der Lehrer selbst wirdnicht ein Mehreres von ihm fordern. Allein wir fürchten unS nicht, es auszusprechen: auch der-jenige, der mit dem höchsten Lob der N»benlehrer gegenwärtig unsere Literarschule verläßt, hatnoch sehr wenig geleistet, in Vergleichung dessen, was mit Billigkeit von einem auf gleicherAltersstufe stehenden Realschüler verlangt werden kann.
Diese, durch alle bisherige Erfahrung bestätigte Erschlaffung der Realschüler, wird aber auchden Unterricht selbst ergreifen. Der Lehrer der Geschichte und Geographie, der zugleich Latein-lehrer ist, und den Privatfleiß seiner Schüler bereits für sein Hauptfach in Anspruch genommenhat, wird desto nachsichtiger sein in jenen Nebenfächern. Die Lehrer in der Mathematikund im Französischen, die auf keinen häuslichen Fleiß zählen dürfen, werden die karg zugemes-senen Lehrstunden benutzen müßen, um Fertigkeiten einzuüben, die zum Vorwärts gehen durch-aus erforderlich sind. Ihre Lehrcurfe werden durch diesen bedeutenden Zeitverlust beengt, sie sehen