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Christ. Fürchtegott Geliert.
(geb. 17t5
1Z. Der junge Rrebs und die Seemuschel.
Der Muschel, die am seichten StrandeIhr Haus bald von einander bogBald wieder fest zusammenzog,
Sah einst mit Neid' und UnverständeEin junger Krebs aus seiner Höhle zu. —
„O Muschel, wie beglückt bist du!
O, daß wir Krebse nur so elend wohnen müssen!
Bald stößt der Nachbar mich aus meiner Wohnung aus —
Und bald der Sturm; du hast ein eigen' steinern' Haus,
Kannst, wenn du willst, es öff nen und verschließen;
Vergönne mir nur einen Augenblick, —
Ich weiß: du gönnst mir dieses Glück, —
In deinem Schlosse Platz zu nehmen!" —
»»Ich"" — sprach sie, — „„sollte mich zwar schäme»,
In mein, nicht aufgeputztes, Haus, —
Denn, in der That! sieht'S itzt nicht reinlich aus, —
Vornehme Herren einzunehmen;
Doch dient es mit zu deiner Ruh,
Auf kurze Zeit zu mir dich zu verfügen;
So dien' ich dir auch mit Vergnügen;
Wir haben Platz."" — Er kommt. —Sie schließt ihr Schloß fest zu —„Mach' auf!" — schreit er, — „denn ich ersticke." —
„„Bald,"" — spricht sie, — „„will ich dich befrey'n;
Sieh' erst der Mißgunst Thorheit einUnd lerne hier zu deinem Glücke,
Durch G'nügsamkeit zufrieden sein!"" —
14. Die Gans.
„ 9» Städren wird aus mir doch etwas noch gemacht," —Sprach eine junge Gans, die man zu Markt gebracht. —
Im Dorfe wußte man nur grausam mich zu reifen;
Hier sucht mich manche Hand liebkosend anzugreifen;
Man hebt mich lachend auf und setzt mich wieder hin;
Weil ich so weiß wie Schnee am ganzen Leibe bin.
Man streichelt meine Brust, greift unter meine Schwingen;
Das muß die Art wol seyn, mir Huldigung zu bringen.
Ein allerliebstes Thier, ein Phönix muß ich seyn:
DaS unverständ'ge Dorf sah meinen Werth nicht ein.
Bei dummen Leuten kann man nie zu Ehren kommen;
Nur in der Stadt wird noch Verdienst in Schutz genommen. -