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Johann Gotth. Ephr. Lcssing.
sgeb. 1729.
womit du die Erde geziert hast/ und meine Eitelkeit heißt es mich glauben;aber sollte gleichwol nicht noch Verschied'neS an mir zu bessern seyn?" —„„Und was meinst du denn/ das an dir wol zu bessern sey'? — rede!ich nehme Lehre an/"' — sprach der Gott und lächelte.
„Vielleicht," — sprach das Pferd weiter,— „ würde ich flüchtigerseyn; wenn meine Beine hoher und schmächtiger wären; ein langer Schwa-nenhals würde mich nicht entstellen; eine breitere Brust würde meine Stärkevermehren, und, da du mich doch einmal bestimmt hast, deinen Liebling,den Menschen zu tragen; so könnte mir ja wol der Sattel «»erschaffen seyn,welchen der wohlthätige Reiter mir auflegt." —
„„Gut,"" — versetzte Zeus, — „„gedulde dich einen Augenblick!""—Und Zeus, mit ernstem Gesicht', sprach das Wort itzt der Schöpfung. —Da quoll Leben in den Staub; da verband sich gebildeter Stoff, und —plötzlich stand vor dem Throne das ungeheure Kameel da.
Das Pferd sah, schauderte und zitterte vor Entsetzen und Abscheu!„„Hier sind höhere und schmächtigere Beine;"" — sprach Zeus, —„„hier ist ein langer Schwanenhals; hier ist eine breitere Brust; hier istder anerschaff'ne Sattel! willst du nun, Pferd, daß ich so dich umbil-den soll?"" —
Das Pferd zitterte noch- —
„„Geh!"" — fuhr Zeus fort, — „„diesmal sey belehrt, ohne be-straft zu werden! — Dich deiner Dermessenheit aber, reuend, dann undwann zu erinnern, dau're das neue Geschöpf fort!"" — Zeus warf einenerhaltenden Blick auf das Kameel, —und Las Pferd erblickte es nie, ohnezu schaudern.
4. Der Esel mit dem Löwen.
Als der Esel mit dem Löwen des Aesopus, der ihn, statt seines Iäger-horn'S, brauchte, nach dem Walde ging, begegnete ihm ein and'rer Eselvon seiner Bekanntschaft und rief ihm zu: „guten Tag, mein Bruder!''—
„„Unverschämter!"" — war die Antwort.-
„Und warum das?" — fuhr jener Esel fort. — „Bist du deswegen,weil du mit einem Löwen gehst, besser als ich, —Aiehr, als ein Esel?"—
Z. Der wilde Apfelbaum.
>Hn den hohlen Stamm eines wilden Apfelbaum'S ließ ein Schwärm Bie-nen sich nieder. Sie füllten ihn mit den Schätzen ihres Honigs, und derBaum ward so stolz darauf, daß er alle andern Bäume gegen sich verachtete.
Da rief ihm ein Rosenstock zu: „elender Stolz auf gelieh'ne Süßig-keiten! ist deine Frucht darum weniger herb'? in diese treibe den Honig