82
Ludwig Heinrich von Nikolai.
sgeb. 17Z7.
Kam an, wohin sein Ziel ihn rief. —Wer war es, der geschwinder lief?
2. Aesop.
Uesop ging einst nach einem Städtchen hin.
Ein Wand'rer kam und grüßte ihn, —
Und fragt': „wie lange, Freund, hab' ich zu geh'nBis zu dem Flecken dort, den wir von Weitem sehn?" —
„„Geh!"" spricht Aesop. — Und er: „das weiß ich wol,
Daß, wenn ich weiter kommen soll,
Ich gehen muß; allein du sollst mir sagen:
In wieviel Stunden?'' — „„Nun, so geh'!"" — „Ich sehe wol," —Brummt hier der Fremde, „dieser Kerl ist toll;
Ich werde Nichts von ihm erfragen;" —
Und dreht sich weg und geht. — „„He,"" — ruft Aesop, — „„einWort!Zwey Stunden bringen dich an den bestimmten Ort."" —
Der Wandrer bleibt, betroffen, stehen.
„Ei,, — ruft er, — „und wie weiß'st du'S nun?" —
„„Und wie,"" — versetzt Aesopkonnt' ich den Ausspruch thun;Bevor ich deinen Gang gesehen?"" —
3. Der Rabe und die Eule.
„A8ann kommst du doch aus deiner Höhle? —Wann hören wir die Lieder deiner Kehle,Trübsel'geS Stiefkind der Natur?" —
Zur Eule sagte dies der Rabe; —
„Ich möchte wissen, Was an solcher KreaturMinerva wol gefunden habe." —
„„Du zwingst mich selbst, o Rabe, dir,"" —Erwiedert sie, — „„zwey Gaben anzuzeigen; —Die liebt Minerva sehr an mir;
Allein Sie fand sie nicht an dir:
Ich kann im Finstern sehn und schweigen."" —
4. Der Sonnenzeiger und die Glockenuhr.
Zum Sonnenzeiger sprach die Glockenuhr:
„Ich bitte dich, mir doch die Stunde anzugeben." —
ES war ein trüber Tag; auch sprach's die Stolze nur,Ihn zu erniedrigen, sich selber zu erheben- —