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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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87
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gest. 18VZ.I Johann Gottfried von Herder.

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Die Verlor'ne zu beglücken,

Schaute Jupiter herab.

Unsern Himmel soll sie schmücken,Sie, die nur der Himmel gab!

Aus dem Chor" der GötterjugendWäre Thalia verbannt?

Unschuld du und frohe Tugend,Höhlet sie in unser Land!"

Unschuld und die Tugend stiegenIn der Schwester Einsamkeit,

Und aus ihrer Beiden ZügenSchuf sie selbst sich Göttlichkeit.Unabtrennlich stets von Beiden,

Ward sie, wie die Anmuth, schön,Und im Chor' der GötterfreudenLanzen itzt drey Grazien!

2. Drey Freunde.

^raue keinem Freunde, worin du ihn nicht geprüft hast! an der Tafeldes Gastmahl'S giebt es mehrere derselben als an der Thüre des Kerkers.

Ein Mann hatte drey Freunde. Zwey derselben liebte er sehr; derdritte war ihm gleichgültig; ob dieser es gleich am Redlichsten mit ihmmeinte. Einst ward er vor Gericht gefordert, wo er, unschuldig aber hart,verklagt war.Wer unter euch," sprach er,will mit mir gehenund für mich zeugen? denn ich bin hart verklagt worden, und der Königzürnet.'' Der erste seiner Freunde entschuldigte sich sogleich, daß ernicht mit ihm geh'n könne wegen and'rer Geschäffte. Der zweyte beglei-tete ihn bis zur Thüre des Rathhauseö; da wandte er sich und ging zu-rück, aus Furcht vor dem zornigen Richter. Der dritte, auf den er amWenigsten gebaut hatte, ging hinein, redete für ihn und zeugte von sei-ner Unschuld so freudig, daß der Richter ihn beschenkte und losließ.

Drey Freunde hat der Mensch in dieser Welt; wie betragen sie sichin der Stunde des Todes; wenn ihn Gott vor Gericht ruft? Das Geld,sein bester Freund, verlaßt ihn zuerst und gehet nicht mit ibm. SeineVerwandten und Freunde begleiten ihn bis zur Thüre des Grabes undkehren wieder in ihre Häuser. Der dritte, den er im Leben oft am Mei-sten vergaß, sind seine wohlthätigen Werke; sie allein begleiten ihn biszum Throne des Richters; sie gehen voran, sprechen für ihn und findenBarmherzigkeit und Gnade.