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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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Johann Gottfried von Herder. sgeb. 1741.

3. Der sterbende Schwan.

dlluß ich denn allein stumm und gesanglos seyn?" sprach/ seufzend/ derstille Schwan zu sich und badete sich im Glänze der schönsten Abendröthe/beynahe ich allein/ im ganzen Reiche der gefiederten Schaaren? Zwarder schnatternden Gans und der gluckenden Henne und dem krächzendenPfau' beneide ich ihre Stimme nicht; aber dir/ 0 sanfte Philomele, beneideich sie; wenn ich/ wie festgehalten/ durch dieselbe/ langsamer meine Welleziehe und mich im Abglanze des Himmels trunken verweile. Wie wollteich dich singen/ goldene Abendsonne! dein schönes Licht und meine See-ligkeit singen! mich in dem Spiegel deines RosenantlitzeS niedertauchenund sterben!" Still entzückt tauchte der Schwan nieder; und kaum hober sich aus der Welle wieder empor; als eine leuchtende Gestalt/ die amUfer stand/ ihn freundlich zu sich lockte. ES war der Gott der Abcnd-und Morgensonne/ der schöne Phöbos.KeuscheS/ liebliches We-sen/'" sprach er,die Litte ist dir gewahrt/ die du so oft mdeiner verschwieg'nen Brust nährtest; sie konnte dir nicht eher gewährtwerden."" Kaum hatte er das Wort gesagt; so berührte er den Schwanmit seiner Leyer und stimmte auf ihr den Ton der Unsterblichen an. Ent-zückend/ durchdrang der Ton den Vogel Apollo'S/ und / aufgelöst/ sang erin die Saiten des Gottes der Schönheit/ dankbar froh besingend die schöneSonne/ den glänzenden See und sein unschädliches Leben. Sanft/ wie seineGestalt/ war das harmonische Lied; lange Wellen zog er dahin, in süßen/entschlummernden Tönen; bis er sich in Elysium wieder fand/ am Fußedes Apollo in seiner wahren himmlischen Schönheit. Der Gesang/ derihm im Leben versagt war/ war sein Schwanengesang geworden/ dersanft seine Glieder auflösen mußte; denn er hatte den Ton der Unsterb-lichkeit gehört und das Antlitz eines Gottes gesehen. Dankbar schmiegteer sich an den Fuß Apollo'S und horchte seinen göttlichen Tönen; als ebenauch sein treues Weib ankam/ die sich in süßem Gesänge ihm nach zu Todegeklaget. Die Göttinn der Unschuld nahm Beide zu ihren Lieblingen an/das schöne Gespann ihres Muschelwagens; wenn sie in dem See' der Ju-gend badet.

Gedulde dich/ stilles hoffendes Herz! Was dir im Leben versagtist/ weil du es nicht ertragen konntest, giebt dir der Augenblick deinesTodes.

4. Der w

ind und Sonne machten Wette:

Wer die meisten Kräfte hatte,

Einen armen WandersmannSeiner Kleider zu berauben.

e r t st r e i t.

Wind begann;

Doch sein Schnauben

Half ihm Nichts; der WandcrsmannZog den Mantel dichter an.