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Johann Gottfried von Herder. sgeb. 1741.
3. Der sterbende Schwan.
„dlluß ich denn allein stumm und gesanglos seyn?" sprach/ seufzend/ derstille Schwan zu sich und badete sich im Glänze der schönsten Abendröthe/„beynahe ich allein/ im ganzen Reiche der gefiederten Schaaren? — Zwarder schnatternden Gans und der gluckenden Henne und dem krächzendenPfau' beneide ich ihre Stimme nicht; aber dir/ 0 sanfte Philomele, beneideich sie; wenn ich/ wie festgehalten/ durch dieselbe/ langsamer meine Welleziehe und mich im Abglanze des Himmels trunken verweile. Wie wollteich dich singen/ goldene Abendsonne! — dein schönes Licht und meine See-ligkeit singen! mich in dem Spiegel deines RosenantlitzeS niedertauchenund sterben!" — Still entzückt tauchte der Schwan nieder; und kaum hober sich aus der Welle wieder empor; als eine leuchtende Gestalt/ die amUfer stand/ ihn freundlich zu sich lockte. — ES war der Gott der Abcnd-und Morgensonne/ — der schöne Phöbos. — „„KeuscheS/ liebliches We-sen/'" — sprach er, — „„die Litte ist dir gewahrt/ die du so oft mdeiner verschwieg'nen Brust nährtest; — sie konnte dir nicht eher gewährtwerden."" — Kaum hatte er das Wort gesagt; so berührte er den Schwanmit seiner Leyer und stimmte auf ihr den Ton der Unsterblichen an. Ent-zückend/ durchdrang der Ton den Vogel Apollo'S/ und / aufgelöst/ sang erin die Saiten des Gottes der Schönheit/ dankbar froh besingend die schöneSonne/ den glänzenden See und sein unschädliches Leben. Sanft/ wie seineGestalt/ war das harmonische Lied; lange Wellen zog er dahin, in süßen/entschlummernden Tönen; bis er sich in Elysium wieder fand/ am Fußedes Apollo in seiner wahren himmlischen Schönheit. Der Gesang/ derihm im Leben versagt war/ war sein Schwanengesang geworden/ dersanft seine Glieder auflösen mußte; denn er hatte den Ton der Unsterb-lichkeit gehört und das Antlitz eines Gottes gesehen. Dankbar schmiegteer sich an den Fuß Apollo'S und horchte seinen göttlichen Tönen; als ebenauch sein treues Weib ankam/ die sich in süßem Gesänge ihm nach zu Todegeklaget. Die Göttinn der Unschuld nahm Beide zu ihren Lieblingen an/das schöne Gespann ihres Muschelwagens; wenn sie in dem See' der Ju-gend badet.
Gedulde dich/ stilles hoffendes Herz! — Was dir im Leben versagtist/ weil du es nicht ertragen konntest, giebt dir der Augenblick deinesTodes.
4. Der w
ind und Sonne machten Wette:
Wer die meisten Kräfte hatte,
Einen armen WandersmannSeiner Kleider zu berauben. —
e r t st r e i t.
Wind begann;
Doch sein Schnauben
Half ihm Nichts; der WandcrsmannZog den Mantel dichter an. —