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Christian Kajus Loren; Hirschfeld
sgeb. 17L2.
Fruchtbäume ward noch einmal mit Flocken durchweht, und die, noch halbkahle und halb aufgeblühete, Landschaft schimmerte unter dem Lichte, dashin und her die Wolken durchbrach, im Gemische von Grau und Weißund Grün. Und wie oft sahen wir nicht die Lerche, die dem ankommen-den Frühlinge in die wärmere Luft entgegen sang, in einer traurigenStille wieder Heruntergleiten, ihre kleinen Flügel, betrübt, zusammenfal-ten und vor dem heuchlerischen Wetter in das Winterlager zurückflieh'n.
Doch noch einmal ging die belebende Kraft von dem Vater der Na-tur durch alle Wesen; die stärkere Sonne lbs'te die kalten Ueberbleibsel desWinters auf, und nun herrscht der siegreiche Frühling auf allen Hügeln,in allen Thälern, in allen Gärten; Alles ist voll von seinen Reizen.
Erwachet nun, ihr Städte, zu den Freuden des verschönerten Jahresund nehmet an ihnen auf dem Lande Theil! Ihr Alle, die ihr die Unbe-quemlichkeiten deö melancholischen Winters getragen, euch vor der un-freundlichen Nässe und Kälte und den pfeifenden Nordwinden in eureWohnung verschlossen und sie, von Schneegestöber eingehüllt und eure Fen-ster vom nächtlichen Froste erstarrt, gesehen, verlässt die Mauern der Stadtund komm't in das Gefilde deö Frühling'S, wo überall Freude blüht undder ganze Himmel'mit einer neuen Heiterkeit lächelt! Jtzt in diesen Tagen,die der reinsten Lust heilig sind, — itzt müsse ein Jeder, dessen Herz fröh-licher Empfindungen fähig ist, dem städtischen Kerker entfliehen und dieErgötzungcn der Natur in der heiter'n Lust deö Landes suchen! Alles regtsich vor Vergnügen; Alles ladet die Bewohner der Städte ein, an denFrenden theilzunehmen, die der Frühling rings um die Hütten der Land-leute ausgebreitet hat. Die Berge umher strecken ihr stolzes Haupt, dasmit einem grünen Schmucke bekränzt ist, empor und verkünden den Früh-ling. Die belaubten Wälder reizen von allen Seiten her und verkündenden Frühling. Die HeerLen, die weit umher die Weiden bedecken, lassenihr Brüllen bis in die dumpfen Mauern schallen und verkünden den Früh-ling. — Ja, man hört die Lockungen der ganzen Natur, und der fühlendeTheil der Menschen folgt ihnen. Ich sehe bereits einen Freund des Land-lebens n§ch dem andern der Stadt entweichen und sich in den Schooß desSommerhauses begeben. Die Häuser und Gassen der Stadt werden all-mälig einsamer. Die öffentlichen Spatziergänge, die im frischen Laubegrünen, werden wieder am Morgen und Abend' besucht und geben Denen,welche die schönen Monathe in der Stadt zubringen müssen, ein Theilder FrühlingSergötzungen. Schon höre ich dort in dem Schatten derGänge eine inunt're Gesellschaft nach der andern vorüberrauschen, wo dieFreude das Alter und die Jugend vereinigt, jedes Herz burchwallet undzu den vergnügtesten Gesprächen belebt. — Ja, genießet die ganze Wohl-lust des jungen Jahres, ihr edlen, zum feinen Gefühle gebildeten, See-len! trinket mit vollen Züge» das süße Vergnügen, das der Vater desFrühlings überall für euch auögießt.