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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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Christ. Ewald von Kleist.

I>st. 17LS.

8. Geburtlied.

eh' dir: Laß du geboren bist!

Das große Narrenhaus, die WeltErwartet dich zu deiner Quaal.

Nicht Wissenschaft, nicht Tugend istEin Bollwerk bor der Bosheit Wuth,

Die dich bestürmen wird. VerdienstBeleidiget die MajestätDer Dummheit, und wird dir, gewiß! -Im Fall' du dir's einmal erwirbst,

Ein kerkerwcrth' Verbrechen se»n.

Der Schatten eines Fehlers wird,

Bei hundert deiner Tugenden,

Der Läst'rung gräulichstes Geschrei)

Oft hinter dir erwecken. Wenn,

Voll cd'len Zorn's du kühn die Stirn'

Zum Läst'rer kehr'st; ist Alles Ruh'.

Ein Zeigefinger, der schon linkt,

Ein Nickkopf weist dir kaum, was manBegonnen. Schnell tönt hinter dirDes Unstnn's Stimme wiederum.

Wenn du nicht, wie der Sturmwind, sprichst,Nicht säufst, wie da die Erde säuft,

Wo steh das Meer im Strudel dreht;Wenn kein Erdbeben deinen LeibZu rütteln scheint, indem du zürnst;

So mangclt's dir an Helden,nuth'.

Und tanzest du den Phrynen nichtVon Weitem einen Reverenz;

So mangclt's dir an großer Welt.

Wenn du nicht spielst und Viel gewinnst,Bis der, mit dem du spielst, erwacht;Wenn Wollust unter Noseu nichtDich in die geilen Arme schlingt;

So fehlt dir Geist; so fehlt dir Witz.Nichts, Nichts als Thorheit wirst du sehrUnd Unglück. Ganze Länder stieh'n,Gejagt von, Feuermeer' des Kricg's,

Von, bleichen Hunger und der Pest,

Des Krieg's Geselle», und die SeeErgießt stch wild; Verderbe» schwimmtAuf ihre» Wogen und der Tod.

Ein unterird'scher Donner brüllt,

Die Erd' eröffnet ihren Schlund,Begräbt in Flammen Feld und WaldUnd Was im Feld' und Walde wohnt.

Und fast kein tugendhafter MannLebt, ohne Milzsucht, lahmen FußUnd ohne Buckel oder Staar:

Ihn folterst Schwermuth; weil er lebt.Dies Alles wirst du seh'n und Mehr-Allein du wirst auch die Natur,

Voll sanfter Schönheit, seh'n. Das Meer,Der Morgenröthe Spiegel, wirdMit rothem Lichte dich erfreu'»,

Und rauschen dir Entzückung zu.

Verborgen, wenn die Sonne brennt,

In grüner Nacht, beschattet dichDer Birken hangend' Haar. Du gehstIn blühn'den Hecken eines Thal'S,

Voll Ruh', einher und athmest Lust,

Und sichelt einen SchmetterlingAuf jeder Blüth', in bunter Pracht,

Und den Fasan im Klee, der dirDenselben Hals bald roth bald braunBald grün, im Glanz' der Sonne, zeigt.Es werden Wiesen dich erfreu'»,

Mit Regenbogen ausgeschmückt,

Und in der Fluth ein LabyrinthVon Blumen und manch' bunter Kranz,Aus dessen Mitte Phöbos Bild,

Voll Strahlen, blitzt, und über demIn holden Düften Zephyr schwärmt;Die Lerche, die, im Auge nicht,

Doch immer in den Ohren ist,

Singt aus den Wolken Freud' herabDir in die Brust. Auch Tugend istNoch nicht verschwunden aus der Welt,Und Friedrich lebt', berste belohnt;

Auch ist sie selbst ihr reicher Lohn.Mitleiden, Großmuth, DankbarkeitUnd Menschcnlieb' mit EdclmuthWirkt Freud', und Freude nur ist Glück: