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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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MagnuS Gottfried Lichtwer.

Mit, zu tief geschlag'ncr, Seele,

Theure, seh'n wir deinen Sarg;

Da des Grabes tiefe Höhle

Kaum uns noch den Vater barg.

War nicht einer dieser Streiche

Schon, zum höchsten Schmerz', genug,Shne: daß die zweyte Leiche:

Trostlos uns danieder schlug?

Liebste Mutter, der aus ErdenNie genug das Herz gedankt,

Was, bei Sorgen und Beschwerden,

Unser Wohl durch dich erlangt,

Nimm in unsern heißten ZährenHier den letzten Abtrag an,

Den die Ehrfurcht dir gewähren,

Liebe dir bezeigen kann!

Zu des Himmels Süßigkeiten,

Zu der Tugend höchstem Lohn'Hier sich zeitig zu bereiten,

Glückte deiner Jugend schon.

Ja, des ganzen Lebens WürdeWar nur Huld und Zärtlichkeit,Und der Pflichten ganze BürdeDir so sanft als unentweiht.

Euter Mütter Ruhm zu ehren,

Hebe dnrch der Zeiten LaufIn der Töchter frommen ChörenEinst dein Bild die Nachwelt auf!In der sanften Unschuld MienenWar des Herzens inn'rer WerthLiebenswürd'ger nie erschienen,Nie durch Thäten mehr verklärt.

Dieses Grabes düst'rer BogenFaßt nur Das, Was sterblich war.Von des Himmels Glanz' umzogen,Strahlt dort das beglückte Paar.Wird einst gleiches Licht uns scheinen,Und dies Auge Heller sehn;

Wird selbst, Was wir itzt beweinen,Roch der Vorsicht Preis erhöh'».

Magttus Gottfried Lichtwer,

geboren den 1. Februar 1719, gestorben 17SZ-

1. Der Affe und der Bär.

Ein Äff' und Bär, zwey nahe Vettern,

Gleich groß, gleich näschig und gleich alt,Auch gleich geschickt in Sprung' und Klettern,Durchstrichen eifrig Feld und Wald,

Um ihrer Magen Zorn zu stillen.

Der Bär ging langsam, traurig, krumm,Als wie ein Schuldner, und fing Grillen.

Der Affe sah sich munter um;