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Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
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Cap. VI. Oppos. u. Reform, h. 262. Husiten.

die Calixtiner s1433s über ihre Artikel: Das WortGottes soll ordentlichgepredigt werden in Vollmacht der geistlichen Obern, das Concilium kraftseines Ansehns vergönnt das Abendmabl unter beiderlei Gestalt, die Kir-chengüter sollen nach Vorschrift der Kirchenvater vom Klerus verwaltet undTodsünden möglichst nach den Gesehen durch die Behörden gestraft werden.Die Taboriten und Waisen, welche diese Präger Compactaten verachteten,wurden in der Schlacht bei Prag f30. Mai 1434s bezwungen, und Böh-men unterwarf sich demKaiser durch den Vertrag vonJ glau s1436s, derdie religiöse und politische Freiheit verbürgte. Der Vertrag wurde zu Gun-sten der Katholischen, die nach Zersprengung der Taboriten den Calixti-nern an Macht gleichkamen, mannichfach verletzt, nach Sigmunds Todej1437s, als die Nation ihr Wahlrecht übte, kamen Thronstreitigkeitenhinzu, der Bürgerkrieg wurde unentschieden fortgeführt, bis Georg P o-debra, s. 1458 König, das Recht des modernen Staats erkannte, Utra-quisten und Katholiken als gleichberechtigt zu schützen, König Wladis -lav stiftete auf dem Landtage zu Kuttenberg s1485s einen Religions-frieden, welcher die katholische und calixtinische Kirche jede in ihrem Be-sitzstände sichern sollte. Aber die czechisch-deutsche Cultur war vernichtet,das resorryaiorische Leben unterbunden, den Husiten war nichts gebliebenals die Äußerlichkeit des Kelchs und große Erinnerungen,

H. 263. Die böhmischen und mährischen Bruder.

Äscher, die 3 vorn. Glaubenshek. d. Böhm. Bruder. Frkf. u. Lpz. 742. C. v. 3ezsch-wih, die Katechismen der Waldens. u. Böhm. Brüdcr. Erl. 863. 4, Oamoiaiii rmirntioäs Irntrulll oillroä. scclssiis in Lad. Aoiavia st kol. sum 1570s llälb. 605. Isiel.625. ck.OomoviiHist. kiat.Loli.Lillst.660. IIaI.702. 4. Lochner, Entst. u. erste Schick-sale d. Brndergem. in B. u. M. Nürnh. 832. A. Röppe», KOrdnung u. Disciplin d.alten huff. Brnderkirche. Lpz. 845. A. Gindelgi Gesch. d. Böhm. Br. Prag 857. 2 Bu. Aontss Asiuin Lustrias. II. I. XIX. Vieu. 859. B. Tzerwenka, Gesch. d.ev. K. in Böhmen. Vieles. 869.

Mißmuthig über die Zugeständnisse, die den Katholiken gemacht wur-den, und über das Schwinden des evangelischen Geistes, that sich zurWiederbringung apostolischen Christenthums eine kleine Schaar zusam-men ss. 1450s, vornehmlich Überreste der Taboriten, aber durch die Nothgeläutert. An die Ostgränze verwiesen, verbreiteten sie sich unter schwerenVerfolgungen in Böhmen, Mähren und Polen, gegen Ende des 15.JHH.an 400 Gemeinden, ließen ihre ersten Bischöfe von Waldenserbischöfenweihen und namen Überreste der Waldenser nebst andern stillen Frommenin sich auf. Das Gebot der Liebe sollte jedes andre Gesetz ersetzen undalle Üngleichheit von Stand und Vermögen aufheben. Arm, bibelfestund friedfertig, in einer Stufenfolge von Anfängern, Fortschreitendenund Vollkommenen, verwarfen sie die Heiligen und Prälaten der katholi-schen Kirche, lehrten eine mystische Vereinigung des Körpers Christi mitBrot und Wein, wollten nicht die alleinseligmachende Kirche, nur Gliederderselben sein, und bewahrten durch eine Kirchenzucht im Geiste der erstenJahrhunderte ein sittlich strenges, inniges,frommes und beschränktesLeben.

Kirchmgeschichte. rv. Aufl. 24